Bergsteigerdorf

 

Pressemitteilung des Deutschen Alpenvereins:

Kreuth wird Bergsteigerdorf

22.06.2017, 09:31 Uhr

Die Gemeinde Kreuth im Tegernseer Tal erfüllt alle erforderlichen Kriterien, um im Netzwerk der Bergsteigerdörfer aufgenommen zu werden. Dies stellte der Deutsche Alpenverein gemeinsam mit seinen internationalen Partnern vom Österreichischen Alpenverein, Alpenverein Südtirol und vom Alpenverein Slowenien (PZS) fest. Formell erhält der Ort im Mangfallgebirge die Auszeichnung aber erst, wenn er die „Bergsteigerdorf-Deklaration“ unterzeichnet hat. Dies wird im Rahmen eines Festaktes voraussichtlich im Frühjahr 2018 geschehen. „Wir freuen uns sehr, dass wir mit Kreuth einen weiteren tatkräftigen Unterstützer der Philosophie der Bergsteigerdörfer im Bund haben,“ sagt DAV-Vizepräsident Rudi Erlacher. „Gemeinsam mit Ramsau, Sachrang und Schleching kann Kreuth wichtige Impulse für eine nachhaltige Tourismusentwicklung im Alpenraum liefern.“ 


Die Bevölkerung steht voll hinter dem Konzept

Auf einer Bürgerversammlung gestern abend haben die Vertreter des DAV die Entscheidung des internationalen Bergsteigerdörfer-Gremiums bekannt gegeben. Bürgermeister Josef Bierschneider begrüßt diese Entscheidung und freut sich auf die weitere Zusammenarbeit. „Die Stimmung war hervorragend“, freute sich Bierschneider im Anschluss an die Veranstaltung. „Ob Gastronomen, Handwerker, Einzelhändler oder ganz normale Bürgerinnen und Bürger – alle wollen anpacken und mithelfen, damit das Bergsteigerdorf Kreuth eine Erfolgsgeschichte wird.“ 


Ein Juwel im Einzugsgebiet von München

Kreuth liegt südlich des Tegernsees im Herzen des Mangfallgebirges, rund 60 Kilometer südlich von München. Im Projekt berücksichtig sind der Hauptort mit seinen Ortsteile Riedlern, Enterfels, Grüneck und Brunnbichl, die von bedeutenden Gipfeln der Bayerischen Voralpen wie Leonhardstein, Roß- und Buchstein oder Hirschberg umgeben sind. Die Tourenmöglichkeiten sind entsprechend vielseitig, im Sommer wie im Winter. Kreuth setzt durch seine klare Ausrichtung auf Naturtourismus und den Erhalt von Tradition und Brauchtum ein wichtiges Zeichen in einer ansonsten durch schnelllebigen Tagestourismus geprägten Region.


Bergsteigerdörfer: Was ist das?

Bergsteigerdörfer sind kleine Gemeinden im Alpenraum, die ihre Entwicklung auf sanften Tourismus und Naturschutz ausgelegt haben. Natur und Naturerlebnis werden dort groß geschrieben, ebenso wie Bergsport, regionale Wertschöpfung und gelebtes Brauchtum. Dadurch sind Bergsteigerdörfer Vorzeigeorte für eine alternative Tourismusentwicklung im Alpenraum. Die Initiative wurde 2005 durch den Österreichischen Alpenverein ins Leben gerufen, inzwischen sind auch die Alpenvereine in Deutschland, Südtirol und Slowenien dabei. Bergsteigerdörfer müssen einen umfangreichen Kriterienkatalog erfüllen. In Österreich gibt es derzeit 20 Bergsteigerdörfer, in Deutschland sind es ab 21. Juli diesen Jahres drei, in Südtirol ab 23. Juli eines und in Slowenien kommt nächstes Jahr ein erstes dazu. Infos zu Bergsteigerdörfern

 

Kreuther Berg
Bergsteigerdorf

Bergsteigerdorf

Weniger, dafür besser, das ist die Devise

Ein Bergsteigerdorf verschreibt sich ganz dem sanften Tourismus, fördert Naturschutz, Landwirtschaft und nachhaltige Entwicklung! So werden Kultur und Traditionen des Alpenraumes bewahrt. Bergsteigerdörfer sind vorbildhafte regionale Entwicklungskerne im nachhaltigen Alpintourismus mit einer entsprechenden Tradition.

Die Bergsteigerdörfer sind eine Initiative des Österreichischen Alpenvereins und des Ministeriums für ein lebenswertes Österreich im Zeichen touristischer Nachhaltigkeit. Das Projekt wurde 2005 ins Leben gerufen, um eine alternative und naturnahe Tourismusentwicklung zu fördern. Den Rahmen der Initiative bildet die Alpenkonvention. Die Alpenkonvention ist ein internationales Abkommen zwischen den Alpenländern (Deutschland, Frankreich, Italien, Liechtenstein, Monaco, Österreich, Schweiz und Slowenien) sowie der EU für eine nachhaltige Entwicklung und den Schutz der Alpen. Die Alpen, mit ihrer biologischen Vielfalt, ihren Wasser- und Holzreserven sind Natur-, Kultur-, Lebens- und Wirtschaftsraum für fast 14 Millionen Menschen und ein attraktives Tourismusziel für jährlich etwa 120 Millionen Gäste.

Die Philosophie der Bergsteigerdörfer umfasst folgende Bereiche, aus denen sich auch die strengen Kriterien, nach denen Gemeinden ausgewählt werden, ableiten:
Nähe ohne Respektlosigkeit
Genuss auf hohem Niveau
Bewegung aus eigener Kraft
Anregung ohne Hektik
Belebtheit ohne Lärm

Aufgabe und Funktion der Bergsteigerdörfer
Bergsteigerdörfer sind vorbildhafte regionale Entwicklungskerne im nachhaltigen Alpintourismus mit einer entsprechenden Tradition. Sie garantieren ein professionelles Tourismusangebot für Bergsteiger, weisen eine exzellente Landschafts- und Umweltqualität auf und setzen sich für die Bewahrung der örtlichen Kultur- und Naturwerte ein. Als alpine Kompetenzzentren setzen Bergsteigerdörfer auf Eigenverantwortung, Fähigkeit und Souveränität sowie umweltkundiges und verantwortungsvolles Verhalten ihrer Gäste am Berg.
Die Vorbildwirkung der Bergsteigerdörfer besteht auch darin, dass sie im Einklang und in selbstverständlicher Beachtung einschlägiger gesetzlicher Bestimmungen und Programme das Ziel der nachhaltigen Entwicklung im Alpenraum verwirklichen wollen.

Tourismusphilosophie
Im Vordergrund steht das Erreichen anspruchsvoller Bergtourenziele und das bewusste, ganzheitliche Naturerlebnis mit den Komponenten: körperliche Anstrengung, Bewältigung alpinistischer Schwierigkeiten, Kompetenz und Risikomanagement am Berg, Genuss von Naturschönheiten, Entschleunigung.
Dies bedeutet für die örtlichen Tourismusanbieter eine besondere Zurückhaltung bei der technischen Erschließung des Gebirgsraumes.
Bei der Gästebeherbergung beschränkt man sich auf kleine Betriebsgrößen und fördert in der Region verankerte Anbieter.
Die Schutzhütten werden in ihrer Eigenschaft als hochgelegene Beherbergungsbetriebe mit Stützpunktcharakter und als funktionelle Ergänzung zu den Beherbergungsbetrieben im Tal langfristig erhalten.

Ortsbild und Image
Bergsteigerdörfer achten auf die Qualität des Baugeschehens. Insbesondere bemühen sie sich darum, dass Bauwerke und Anlagen in Größe, Materialwahl und Gestaltung zum ortstypischen Erscheinungsbild passen.

Berglandwirtschaft, Bergwaldwirtschaft
Die Berglandwirtschaft und die Bewirtschaftung des Gebirgswaldes ist für die Funktion und das Image der Bergsteigerdörfer von größter Bedeutung. Es geht um die Balance zwischen zeitgemäßen Bewirtschaftungstechniken, einer sinnvollen Ertragslage, einem ökologisch stabilem Gesamtzustand und einer touristisch stimmigen Kulturlandschaft.
Angestrebt wird eine enge Verbindung zwischen Produzenten und Konsumenten auf lokaler und regionaler Ebene sowie eine dauerhafte Erhaltung und Pflege der typischen Kulturlandschaftselemente.
Die touristische Nutzung von Almgebäuden darf deren landwirtschaftliche Leitfunktion nicht gefährden. Besonders wird darauf geachtet, dass im Almbereich kein zusätzlicher motorisierter Verkehr entsteht.

Natur- und Landschaftsschutz
Die Bergsteigerdörfer bemühen sich um die dauerhafte Erhaltung und Neueinrichtung von Schutzgebieten. Dabei verstehen sich die Gemeinden als aktive Partner bei der Pflege und Betreuung dieser Gebiete.

Mobilität / Verkehr
Bergsteigerdörfer bemühen sich besonders um jene Gäste, die den Ort ohne eigenes Motorfahrzeug erreichen möchten. Die Gemeinden setzen sich aktiv für die Erhaltung und Verbesserung des öffentlichen Personenverkehrs ein, wobei auf die Bedürfnisse von Gästen besonders geachtet wird.

Kommunikation und Informationsaustausch
Bergsteigerdörfer tauschen ihre Erfahrungen untereinander regelmäßig aus und diskutieren alle Anregungen, die von innen und außen an sie herangetragen werden.

Der Titel Bergsteigerdorf versteht sich auch als Qualitätssiegel, weshalb Bewerber einen strengen Kriterienkatalog zu erfüllen haben, ehe sie die Bezeichnung offiziell tragen dürfen.

Sanfter Urlaub in den Alpen
Die Urlaubsaktivitäten in den Bergsteigerdörfern sind so vielfältig wie die Orte selbst. Doch eines haben alle Bergsteigerdörfer gemeinsam – sie haben sich einem nachhaltigen Alpintourismus verschrieben. Die Geschichte dieser Ortschaften wurde durch den frühen Alpinismus geprägt und bis heute ist diese Tradition hier spürbar.
Anregung ohne Hektik, Belebtheit ohne Lärm, Nähe ohne Respektlosigkeit, Genuss ohne Ärger, Bewegung aus eigener Kraft – diese Schlagwörter charakterisieren den entspannten Aktivurlaub in den Bergsteigerdörfern.

Ein Bergsteigerdorf weist exzellente Qualität in Sachen Landschaft und Umwelt auf. Ebenso hat ein Bergsteigerdorf eine vorbildhafte regionale Entwicklung im nachhaltigen Alpinismus sowie einer entsprechenden Tradition.
Die ganzen Bergsteigerdörfer sind Pioniere des Alpinismus in ihren Regionen. Das Bewusstsein über den Einklang zwischen Mensch und Natur wird groß geschrieben. Sie sind nicht sehr berühmte Gebirgsorte und weisen authentischen Charakter auf. Diese Dörfer sind vorbildhafte regionale Entwicklungskerne im nachhaltigen Alpintourismus. Die Positionierung erfolgt über den Alpinbereich. Bergsteigerdörfer garantieren ein professionelles Angebot für Bergsteiger.

Die wichtigsten Kriterien sind:

  • Kleinheit und Ruhe
  • Lage im Alpenraum
  • Ein harmonisches Ortsbild
  • Die alpine Geschichte
  • Die gelebte Tradition
  • Starke Alpinkompetenz
  • Eine umfangreiche Angebotspalette wird ohne technische Hilfsmittel (z. B. Seilbahnerschließung) angeboten.


Die Urlaubsaktivitäten in den Bergsteigerdörfern sind so vielfältig wie die Orte selbst. Doch eines haben alle Bergsteigerdörfer gemeinsam – sie haben sich einem nachhaltigen Alpintourismus verschrieben. Das Bewusstsein über den Einklang zwischen Mensch und Natur wird groß geschrieben. Die Geschichte dieser Ortschaften wurde durch den frühen Alpinismus geprägt und bis heute ist diese Tradition hier spürbar.

Quelle:Bergsteigerdörfer DAV

Kreuth darf ein Bergsteigerdorf werden

Kreuth darf ein Bergsteigerdorf werden

Die Präsentation von Kreuth überzeugte den Deutsche Alpenverein und seine internationalen Partner vom Österreichischen Alpenverein, Alpenverein Südtirol und vom Alpenverein Slowenien (PZS).

Große Flächen von Kreuth sind geschützte Landschaften, wie z. B. das Landschaftsschutzgebiet Weißachauen.
Schutzgebiete sind das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Mangfallgebirge, das Vogelschutzgebiet Mangfallgebirge sowie das RAMSAR-Schutzgebiet (Bayerische Wildalm). Schutzzone C des Alpenplans des Bayerischen Landesentwicklungsprogramms.

Kreuth bietet eine herrliche Kulturlandschaft die seit Jahrhunderten von Landwirten gepflegt wird, Almen, die "offen" gehalten werden und nicht zuwachsen. Aber auch regionale Erzeugung, Vermarktung und Vertrieb von Lebensmitteln.

Bergerlebnisse von der einfachen Wanderung bis zur Kletterwand mit Schwierigkeitsstufe X.
Bergerlebnis zu jeder Jahreszeit (Wandern, Klettern, Skitouren, etc.).
Bergführer stehen in der näheren Umgebung zur Verfügung.
Kreuth ist Teil des DSV-Nordic-Aktiv-Ausbildungszentrums Tegernseer Tal, es liegt an der Via Alpina und am Fernwanderweg Tegernsee-Sterzing.

Der Tourismus lebt im Einklang mit der Natur, denn die Natur ist DAS Erlebnis in Kreuth, dazu nachhaltige Tourismusentwicklung in den vergangenen Jahrzehnten. Keine Naturzerstörung für Tourismusanlagen z. B. durch Liftanlagen oder Hotels. Dazu der interaktive Erlebnisweg zur Sensibilisierung von Kindern und deren Eltern für das Thema "Natur". Das Warmbad wird seit Jahren durch Solarabsorber beheizt und große Anstrengungen werden im Klimaschutz unternommen.

Kreuth ist die Urlaubsregion für Individualtouristen und Familien, hier gibt es keinen Massentourismus. Unsere Tourismusbetriebe sind klein struckturiert: Ferienwohnungen, Privatvermieter, Gästehäuser, nur 2 Hotels. 20 Betriebe über 9 Betten, 89 Betriebe bis zu 9 Betten. Die Tourismusbetriebe sind ausgerichtet auf Gäste allen Alters, vor allem aber auf Naturliebhaber und Familien. Und trotzdem hat Kreuth ein großes touristisches Angebot mit einem breit gefächerten Angebot an Übernachtungsbetrieben, an Gastronomiebetrieben und viele touristische Attraktionen.

Dank strenger Bauvorschriften hat sich Kreuth ein einheitliches Ortsbild erhalten und dank großer Zurückhaltung bei der Ausweisung von Bauflächen gibt es keine Zersiedlung der Landschaft.

Was wär Kreuth ohne Tradition und Brauchtum?
Trachtenvereine, die Musik und Tanz pflegen, Vereinsfeste und Veranstaltungen. Die älteste Leonhardifahrt Bayerns, dazu werden auch die kirchlichen Traditionen gepflegt.

Kreuth ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert.
Im Frühling, Sommer und Herbst: Wandern, Klettern, Mountainbiken, Schwimmen, etc.
Im Winter: Skifahren, Skitouren, Langlauf, Rodeln, Winterwandern, Schneeschuhwandern, Eisstock, etc.

Alpiner Werdegang eines Bergdorfes

Alpiner Werdegang eines Bergdorfes

Das Weißachtal war schon vor Jahrtausenden von Saumpfaden durchzogen, auf dem Säumer (Händler der damaligen Zeit) ihre Waren über das Gebirg von einem Land zum Anderen brachten. An diesen Wegen haben sie auch ihre Heiligtümer errichtet.

Schon vor dem großen Alpenbeben (ca. 2-3000 vor der Zeitrechnung) führte ein Saumpfad vom Isartal kommend über den Leonhardsteinsattel durch die Weißach über Riedlern zum Hafnerstein (zwischen Wallberg und Setzberg), dann hinunter zur Sieblalm und weiter zum Wechsl. Von da führte der Saumpfad ostwärts.
Der Saumpfad, von Riedlern bis zum Hafnerstein war und z. T. ist er auch noch 1,5 Meter breit, manche Teilstücke rutschten in den vergangenen Jahrhunderten ab, andere Teilstücke wurden in den letzten 200 Jahren mit neuen Wegen überbaut. Die neuen Wege sind steinig und auch ausgewaschen, kein Vergleich dazu die Saumpfade unserer Vorfahren. Sie bauten Waldwege, die schon lang nicht mehr hergerichtet wurden, die immer noch intakt sind, angenehm zum Gehen, kein Knie, keine Hüfte, kein Kreuz tut einem weh, kein Wasser läuft über den Weg und wascht ihn aus. Es gibt keine Kurven, keine Serpentinen, der Weg führt leicht steigend immer in einer Richtung am Berg entlang.

 

Zur Latènezeit um ca. 400 v.Chr., keltische Stämme siedeln im Voralpenland, gab es damals schon einen Gebirgsübergang, der später noch lange Zeit die Hauptverbindung von Brandenberg über die Wildalm zum Tegernsee bilden sollte. In der Chronik Brandenbergtal ist dieser Weg exakter beschrieben, daß er in Breitenbach am Inn begann, über´s Joch auf die Eben von Brandenberg hinabging, sich dann bei Hueb teilte, wobei ein Weg über die Brücke bei Steinberg ging und die andere "Strazz" über die Prandenberger Wildalm-Bairisch Wildalm durch die Langenau zum Tegernsee und von dort nach Durchquerung der Furt über die Mangfall am Seeabfluß bei Gmund in verschiedene Richtungen nach Norden führte.

Genau an einem Paßübergang dieses Weges zwischen Blauberg und Guffert wird im Jahr 1957 in einer Felsspalte des Schneidjoch ein Quellheiligtum der Räther entdeckt, dessen Inschrift in einem nordetruskischen Alphabet, das älteste Sprachdenkmal des nördlichen Alpenraumes darstellt. Dieser alte Weg über Brandenberg bestand bis weit ins 18. Jahrhundert und vermutlich noch viel länger.

Noch vor dem Jahr 1320 (nach Ch.) führten einige Kreuzzüge über Tegernsee - Kreuth ins Inntal und über Italien ins Heilige Land, wie dies in der "Chronik des oberen Leizachtales" unter Hinweis auf die Quelle in der "Chronik vom Achental" zitiert wird.

Neben dem oben genannten Saumpfad bestand noch ein zweiter Saumpfad von Wiesing aus durch die breite Lahne, "Breitlahn", in einer Talfurche zum Achensee hinauf, nach Eben zur Rupertskapelle, die knapp am Einschnitt steht. Dieses Gelände war für die Anlage eines Saumweges sehr günstig. Auch mit Pferden konnte man da in kurzer Zeit Eben erreichen. Der weitere Verlauf des Saumweges war von der Schwarzenau zur Kotalm hinauf und beim "Einfang" wieder zum See herunter bis zur Kirche in Achental, dann über die "Leiten" durch den Klammbachwald hinauf zum Schildensteinsattel, welcher die Grenze zwischen Bayern und Tirol bildet. Ziemlich steil an steinigem Hang führte der Weg nun neben der Wolfsschlucht, die bis ins späte Mittelalter ein bevorzugter Aufenthalt der Wölfe war, hinunter zur heutigen Königshütte, von wo er dann als ebener Weg bis zum Wildbad Kreuth führte, um dort sein Ende zu finden. Dieser Saumweg bildete die Verbindung zwischen den beiden Klöstern St. Georgenberg und Tegernsee. Nach Aufschreibungen steht fest, dass auf diesem Weg regelmäßige Transporte von Salz aus den Pfannhäusern von Hall nach Tegernsee gingen. Nach stärkerem Schneefall war der Weg an dem steilen Nordhang neben der gefürchteten großen und kleinen Wolfsschlucht nicht mehr passierbar. So war damals die Verbindung zwischen dem Tegernseer- und dem Achental.
Der Weg von Wildbad Kreuth zum Schildenstein, einem der schönsten Aussichtsberge auf das Achental, wird heute noch von vielen Ausflüglern und Touristen begangen. (Achentaler Heimatbuch, 2. Auflage 1980 "Bau der Straße in das Achental" von Albert Jaud)

Um das Jahr 1320 ließ Herzog Heinrich von Tirol und Graf von Görz einen Karrenweg entlang des Achensees erbauen, der weiter durch das Achental und über den Stubenpaß nach Kreuth führte.

Gaisalm

Seit 979 ist Almwirtschaft im Tegernseer Tal bezeugt. 1348 wird mit der Baumgartenschneid am Kreuzberg die erste Alm namentlich genannt, 1427 kennen wir 43 Almen mit Namen, müssen jedoch annehmen, daß zu diesem Zeitpunkt bereits wesentlich mehr Almen bestehen. Den ersten verläßlichen Gesamtbestand erweist uns das Almbuch von 1529, worin mit 74 Almen zugleich ein erster Höchstbestand erreicht ist. Einige Almen kommen noch hinzu, werden jedoch nach 1529 angelegt, bzw. durch Abteilung neugeschaffen. (Die Almen im Tegernseer Tal zur Rechts- und Wirtschaftsgeschichte des ehemaligen Klostergerichtes Tegernsee vorgelegt von Max Edelmann, München - Innsbruck 1966).
Die Ungarneinfälle begannen im Jahr 899 und dauerten bis zur Schlacht auf dem Lechfeld 955. In dieser Zeit kamen sie auch nach Tegernsee und brannten das Kloster nieder. Somit gibt es aus der Zeit vor dem Überfall keine Unterlagen mehr.

Diese Bauern, Senner und Sennerinnen gingen damals natürlich nicht aus Freude oder zum Zeitvertreib auf die Almen. Für sie war es harte Arbeit und zum Überleben unerlässlich.

 

1817 kaufte König Max I. Joseph von Bayern das Kloster Tegernsee und ließ es von seinem Architekten Klenze zu seiner Sommerresidenz umbauen. 1818 kaufte der König Wildbad Kreuth und erbaute gegenüber ein neues Badhaus, das im Jahr 1820 vollendet war. Der Bau eines zweiten Wohn- und Badhauses in Verbindung mit dem Altbau schloß sich 1824 an, der durch den wachsenden Zuspruch notwendig geworden war.

 

Siebenhütten

Das Gebirge, vor noch nicht langer Zeit als menschenfeindlich und abweisend empfunden, hatte seine Schrecken verloren, der Sinn für die Schönheit der Berge und der Natur ganz allgemein war erwacht. Es wurden Wege und Steige angelegt zur Siebenhütten, zur Gerlosbachschlucht, zur Großen und Kleinen Wolfschlucht mit ihren Felsabstürzen und rauschenden Wasserfällen, zur Felsweißachklamm, Hohlnsteinalm, Geißalm, auch zur Hochalm. Zur Königsalm (früher Klammbergalm oder Oxen Alm) wurde ein Reit- und Fahrweg angelegt. Bergtouren zum Schildenstein, Risserkogl, Halserspitz u. a. wurden angeboten.
Die ganz hohen Herrschaften, wie die Zarin Alexandra von Rußland, wurden mit Sänften hinauf getragen.

 

 

 

 

Lorenz Quaglio: Jägerhaus in Kreuth

Nach der Reisebeschreibung "Tegernsee und seine Umgebung" von Dr. Joseph von Hefner, München 1838, Verlag der Fleischmann´schen Buchhandlung stand schon 1838 ein Kreuz auf dem Leonhardstein. Hefner schreibt: "...Zur Rechten ragt schroff der Leonhardstein (4975 F.) empor, dessen Spitze ein eisernes Kreuz schmückt, zur Linken lagern sich die grünen Matten..."

Auf der Zeichnung "Ein Jägerhäusl in Dorf Kreuth 1838" von Lorenz Quaglio steht auf dem Leonhardstein ebenfalls ein Kreuz. Lt. dem Sulzbacher Kalender (Orts- Landeskunde Kalender Bayern) wurde 1853 ein eisernes Kreuz auf dem Gipfel errichtet. Im Jahr 1870 war eine weitere Kreuzerrichtung.

Kreuzeinweihung amLeonhardstein von 1915

 

 

Dieses Bild beweist die Aufrichtung eines großen Holzkreuzes 1915. Das Kreuz hielt nur 2 Jahrzehnte.

Als Dank für die glückliche Heimkehr aus dem 2. Weltkrieg wurde 1945 wiederum ein Holzkreuz aufgestellt. Das Kreuz von 1945 wurde vom Sturm im Winter 1954/55 umgerissen, darum mußte 1955 ein neues Kreuz errichtet werden.
Am Sonntag, den 15. Juni 2008, wurde das derzeitige Kreuz aus Edelstahl hinaufgetragen, aufgestellt und geweiht.

 

Im Sommer 1858 wanderte König Max II. von Bayern fünf Wochen lang zu Fuß und zu Pferd durch den südlichen Teil seines Landes, von Lindau bis Berchtesgaden. Vom Achensee kommend traf der König mit seinem Troß am Sonntag den 11. Juli  abends um 7 Uhr bei miserablen Wetter in Wildbad Kreuth ein, wo Regierungsgeschäfte erledigt werden mußten. Am Dienstag den 13. Juli ging es dann bei strömenden Regen weiter durch das "uralte, auf drei Seiten von Bergen umschlossene, allerliebste Dorf Kreuth". (Friedrich Bodenstedt: Eines Königs Reise)

Weißachdamm

 

Am 27. Mai 1888 wurde der Verkehrs- und Verschönerungsverein Kreuth e.V. gegründet dem sofort 37 Mitglieder beitraten. Im gleichen Jahr stellt der Verein einen Antrag bei der Weißachaugenossenschaft zum Bau eines Fußweges von Dorf Kreuth nach Wildbad Kreuth, den sogenannten "Bremerweg". 1899/91 erfolgt der Bau der Weißachdammwege zwischen Riedlerbrücke und Hammerschmiedwehr, beidseits der Weißach.
Bei der Erbauung des Reitweges 1892 vom Gasthof Post in Kreuth übers Rauheck zum Hirschberghaus hilft der Verein mit, stellt zwei Ruhebänke auf und stiftet 40 Mark. Der Dammweg zwischen Bäckerhaus und Brunnbichlersteg wird in diesem Jahr auch repariert. In Brunnbichl besteht schon vor 1856 ein Steg. Der letzte wurde 1902 erbaut und existierte bis 1930.

Am Waldrand des Gschwandlerbühels wird ein Fußweg gebaut. Dortselbst werden Ruhebänke errichtet, desgleichen auch an der Pförner Brücke. Eine Orientierungs- und Wohnungstafel wird 1896 vor dem Gasthof zur Post aufgestellt, unter anderem auch längs des Bremer Weges Ahornbäume angepflanzt. Die Ahornallee von Dorf Kreuth nach Bad Kreuth und von Dorf Kreuth bis Oberhof ist auch ein Werk des Vereins.

Da auch ein Bergdorf seinen Gästen etwas bieten muß wurde 1906 der Bau eines "Lawn" Tennisplatz in Angriff genommen. In der ganzen Gemeinde wurden Ruhebänke aufgestellt, Wegweiser angebracht usw.

1908 wird ein Spritzwagen gegen Straßenstaub erworben und ein Antrag an das Straßen- und Flußbauamt Rosenheim gestellt, "auf der Staatsstraße zwischen Parkhaus und Weißachmühle in den Sommermonaten den Spritzwagen gehen lassen zu dürfen, die Straße zu bespritzen, um die Staubentwicklung zu steuern". Durch diese Maßnahme wird der schönste Spazierweg von Kreuth, der Bremer Weg, von den durch die Staatsautomobile aufgewirbelten Staubmassen befreit.

Wegen der Presseveröffentlichung des "Verbandes zur Wahrung der Interessen bayerischer Rad- und Motorradfahrer e.V.", im Jahr 1909, daß die Staatsstraße Tegernsee - Landesgrenze (Kaiserwacht) teils unbefahrbar, teils sehr schlecht befahrbar sei, entwickelt sich reger Briefwechsel. Das kgl. Straßenbauamt Rosenheim stellt dagegen fest, daß diese Straße in keiner Weise den als gut hingestellten Straßen in Miesbach und Garmisch nachstehe und zweifellos zu den besten in Oberbayern zähle. Der Verschönerungsverein protestierte gegen die fortgesetzte Herabwürdigung der Straßen, die auch dem Fremdenverkehr empfindlich schädige, da sich Gäste anderen Gegenden zuwenden würden. Im übrigen, so stellt der Verein fest, befinde sich die Staatsstraße Tegernsee - Landesgrenze in einem ausgezeichneten Zustand. In Zusammenarbeit mit dem Fremdenverkehrsamt München erscheint in 13 Tageszeitungen eine geeignete Kollektivreklame.

In Enterfels wird 1911 eine weitere Allee angelegt. Hierbei sei auf die folgende Verlautbarung der kgl. bayr. Regierung - schon vor der Jahrhundertwende - hingewiesen:

Zur Nachpflanzung und Anpflanzung von Laubbäumen hat die Gemeinde stets kräftig aufzumuntern, selbst mit gutem Beispiel voranzugehen und so zur Erhaltung der Gesundheit und des Schmuckes der Gegend und zur nachhaltigen Nutzung der Baumzucht beizutragen.