Palmtragen

Palmstang

Ostern ist bei uns nicht irgend ein Fest. Es ist untrennbar verwoben mit festen Bräuchen und Gepflogenheiten, die auch dann nicht in ihren Grundfesten erschüttert werden, wenn es stürmt und schneit. Es beginnt schon lang vor dem Palmsonntag. Der Bub braucht eine Palmstang, möglichst lang, stabil aber doch schlank. Dazu werden Blutruten, Buchs, Waxlaber, Efeu und natürlich Palmkatzl gebraucht, aber auch farbige oder zumindest weiß-blaue Bandl. Daraus werden Palmbuschen gebunden und auf der Stange befestigt. Im Schulhof werden die Buschen dann vom Herrn Pfarrer am Palmsonntag geweiht und gemeinsam zieht man dann in die Kirche. Die hl. Messe kommt dabei meist zu kurz, denn man muß doch schauen wie die Andern ihre Stange aufgeputzt haben und was noch wichtiger ist, wer hat die längste Palmstang. Beim Verlassen der Kirche geht es schiach zu, denn keiner will der letzte sein und damit der Palmesel.

Der Mühlauer Heini (1909-1985) wurde von seinen Schulkameraden "Heinrich der Löwe" genannt, weil er so groß und stark war. Seine Palmstange hatte unten einen Durchmesser wie ein Bierfilzl, war aber so lang, daß sie halt gerade noch in die Kirche hinein gepaßt hat. Einmal hat der Herr Lehrer Kirchgeßner, der die Orgel spielte, vom Chor herunter geschaut, da hat ihm der Heini, der mit seiner Stange ganz hinten stand, die Brille heruntergestoßen. Vorsichtiger war da schon der Meßner von Egern, der Weiglschuster Hansirgl. Der wartete vor dem Gottesackertürl mit einem Baumsagl. Jede Stang die ihm verdächtig vorkam, den Lampen in der Kirche gefährlich zu werden, schnitt er einfach ein Trumm herunter. Natürlich nach Gefühl und Augenmaß. Nach der Kirche geht es zur Verwandtschaft und Nachbarschaft um die Buschen abzuliefern, die nimmt natürlich keiner kostenlos; es gibt dafür Ostereier und auch Geld.

Zuntltragen

Zuntl

Am Ostersonntag wird spät in der Nacht oder in aller Hergottsfrüh das Osterfeuer, wie überall, entzündet. Doch bei uns kommen die Zuntl (Baumschwamm), die an einem langen Draht befestigt sind, ins Feuer. Wenn sie richtig glühen, werden sie durch die Luft drehend zu den Leuten gebracht, die auch einen Palmbuschen erhielten. Leider geschieht das immer seltener, da viele Wohnungen keinen Ofen mehr haben.