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Wie feiert Kreuth heute sein Patrozinium?
Morgens um 6 Uhr wird der Winkl durch Böllerschüsse geweckt. Um 9 Uhr ist vom Hotel Post ausgehend der Kirchenzug mit Musik. Alle Wallfahrer nehmen daran teil. Dann wird um halb 10 Uhr das Amt gefeiert, bei schlechtem Wetter in der Kirche, bei schönem Wetter im Freien. Erst nach der hl. Messe gehen alle zu ihren Wägen; die sich zwischenzeitlich aufgestellt haben, ohne den Gottesdienst zu stören.
Dann beginnt die dreimalige Umfahrt, der erste Segen wird mit
Weihwasser gegeben, der zweite mit Weihrauch und der dritte mit dem Kreuz. Den Zug beginnt der Vorreiter mit der
Leonhardsstandarte, das erste Fuhrwerk sind immer die Kreuther Schulkinder, der vorletzte Wagen
die Leonhardstoana und der letzte der Zahler mit den Kreuther Schalkfrauen. Dazwischen der Gemeinderat,
Badler, Wallberger, Hirschbergler, Wiesser, Gmunder und wo sie überall herkommen.
Die Rösser sind gestriegelt und gebürstet, versehen mit weiß-blauen Bändern in den geflochtenen Mähnen, mit blitzsauberen Geschirren und blankem
Lederzeug heraus geputz wie die Menschen, die dem Heiligen zu Ehren nur ihr "bestes
Sach" anziehen. Das ist für die verheirateten Frauen der Schalk, für die
Ledigen das Miedergewand; die Männer im Lodenanzug mit langer Hose. Doch weiter bei den Rössern. Die Tiere tragen aber auch noch alten Kultschmuck, der die bösen Geister abwehren soll. Der Spiegel soll die Dämonen erschrecken, wenn sie ihr eigenes Abbild sehen, der Kamm dient gegen das berüchtigte nächtliche Trudenreiten und verfilzen der Haare durch die Hexen. Das Dachsfell mit dem Kopf dieses Tieres, der meist mit roter Farbe angemalt und mit einer langen Zunge versehen ist, soll durch seinen schrecklichen
Anblick die bösen Geister abwehren. Anstatt der Spiegel findet man immer häufiger die glänzenden
Messingrosen am Geschirr, die aber die gleiche kultische Bedeutung besitzen.
Nach der Umfahrt geht es in den Leonhardstoana-Hof zum Essen und Trinken. Bis spät in die Nacht spielt die Musik zum Tanz auf.
Eine Ursprungslegende, wie wir sie bei vielen
Gnadenstätten finden, hat sich keine erhalten. Aber eine Sage: Die Schimmelreiterin. Die Bäuerin vom
"Daibler" in Wolfsgrub (Ortsteil von Rottach-Egern) sei jedes Jahr in der Nacht vom 5. auf den 6. November, auf einem Schimmel, nackt, nach Kreuth geritten. Dort habe sie den jetzigen Kirchhügel dreimal umkreist, um dann zur Stallzeit wieder Daheim zu sein. Die Echtheit der Sage läßt sich nicht nachprüfen; aber der
"Deibler" ist seit 1350 nachweisbar.
Bemerkenswert an der Sage ist ihr Inhalt selbst, er zeigt eine Grundform unseres Brauchtums auf. Die Deiblerin umkreiste die Kirche dreimal, nackt und mit einem Schimmel. Der Umritt wurde in der heiligen Dreizahl vorgenommen, wie auch heute noch; nackt: "Die Nacktheit sollte offenbar die ungehinderte
Unmittelbarkeit der vom keuschen Menschen ausgehenden Segensfülle ermöglichen". Der Verstärkung der
Weihekraft dient auch das Umreiten auf einem Pferd, ganz besonders wenn es sich um einen Schimmel handelt. Schon die Germanen verehrten den Schimmel als
Mitwisser der Götter.
Daraus, und aus der Tatsache, daß der Kreuther Winkel erst unter dem Zeichen des Christentums
richtig besiedelt wurde, kann man folgern, daß diese Umrittssage christlichen Ursprungs ist. Berücksichtigt man auch den Zeitpunkt des
Umritts, den 6. November (er kann auch später der Sage zugeordnet sein) so erscheint diese mündliche Überlieferung als ein Hinweis auf eine frühzeitige Verehrung des hl. Leonhard in Kreuth.
Aber auch nach den vorhandenen Urkunden, ist die Kreuther Leonhardifahrt die Älteste in
Bayern.
Die Leonhardslegende
Leonhard wurde um das
Jahr 500 in der historischen Provinz Limousin (mit der Hauptstadt
Limoges in Zentralfrankreich) geboren.
Sein Vater hatte unter der Palstwache
des Frankenkönigs Chlodwig, dem Gründer des Merowinger Reiches eine
führende Stellung. Leonhard wuchs am Königshof auf und war beim König
in solchen Gnaden, daß alle Gefangenen, für ide er sich einsetzte,
alsbald entlassen wurden. Geschult vom Regimus, dem Bischof von Reims,
war sein Leben voller Religiosität, so daß ihn der König bat, am Hofe
zu bleiben, um von ihm ein Bischofsamt zu erhalten.
Leonhard zog jedoch die Einsamkeit vor
und erbaute mit Getreuen zuerst eine Einsiedelei und später dann ein
Kloster in Noblat im Bistum Limoges.
Am 6. November 559 starb Leonhard und
wurde in der von ihm erbauten Kirche des Klosters Noblat bei Limoges
beigesetzt, dessen erster Abt er war. Bald war er im Rufe der
Heiligkeit, Gefangene flehten zu ihm; er befreite sie und brach ihre
Ketten. Er ward zum hl. Bandlöser. Aber auch von Gebärenden und von
vielen Pilgern wurde er angerufen.
Mit der Zeit wurden die
Gefangenenketten vom Landvolk in Viehketten umgedeutet - und das
bäuerliche Volk hatte seinen Viehpatron.
Viele Kirchen wurden ihm zu Ehren
erbaut und zahlreiche Wallfahrten und Leonhardifahrten - wie sie dann
später genannt wurden - zeugen von der großen Verehrung Leonhards bis
auf den heutigen Tag.
Eine Ursprungslegende, wie wir sie bei vielen
Gnadenstätten finden, hat sich keine erhalten. Aber eine Sage: Die Schimmelreiterin. Die Bäuerin vom
"Daibler" in Wolfsgrub (Ortsteil von Rottach-Egern) sei jedes Jahr in der Nacht vom 5. auf den 6. November, auf einem Schimmel, nackt, nach Kreuth geritten. Dort habe sie den jetzigen Kirchhügel dreimal umkreist, um dann zur Stallzeit wieder Daheim zu sein. Die Echtheit der Sage läßt sich nicht nachprüfen; aber der
"Deibler" ist seit 1350 nachweisbar.
Bemerkenswert an der Sage ist ihr Inhalt selbst, er zeigt eine Grundform unseres Brauchtums auf. Die Deiblerin umkreiste die Kirche dreimal, nackt und mit einem Schimmel. Der Umritt wurde in der heiligen Dreizahl vorgenommen, wie auch heute noch; nackt: "Die Nacktheit sollte offenbar die ungehinderte
Unmittelbarkeit der vom keuschen Menschen ausgehenden Segensfülle ermöglichen". Der Verstärkung der
Weihekraft dient auch das Umreiten auf einem Pferd, ganz besonders wenn es sich um einen Schimmel handelt. Schon die Germanen verehrten den Schimmel als
Mitwisser der Götter.
Daraus, und aus der Tatsache, daß der Kreuther Winkel erst unter dem Zeichen des Christentums
richtig besiedelt wurde, kann man folgern, daß diese Umrittssage christlichen Ursprungs ist. Berücksichtigt man auch den Zeitpunkt des
Umritts, den 6. November (er kann auch später der Sage zugeordnet sein) so erscheint diese mündliche Überlieferung als ein Hinweis auf eine frühzeitige Verehrung des hl. Leonhard in Kreuth.
Aber auch nach den vorhandenen Urkunden, ist die Kreuther Leonhardifahrt die Älteste in
Bayern.
Die Leonhardslegende
Leonhard wurde um das
Jahr 500 in der historischen Provinz Limousin (mit der Hauptstadt
Limoges in Zentralfrankreich) geboren.
Sein Vater hatte unter der Palstwache
des Frankenkönigs Chlodwig, dem Gründer des Merowinger Reiches eine
führende Stellung. Leonhard wuchs am Königshof auf und war beim König
in solchen Gnaden, daß alle Gefangenen, für ide er sich einsetzte,
alsbald entlassen wurden. Geschult vom Regimus, dem Bischof von Reims,
war sein Leben voller Religiosität, so daß ihn der König bat, am Hofe
zu bleiben, um von ihm ein Bischofsamt zu erhalten.
Leonhard zog jedoch die Einsamkeit vor
und erbaute mit Getreuen zuerst eine Einsiedelei und später dann ein
Kloster in Noblat im Bistum Limoges.
Am 6. November 559 starb Leonhard und
wurde in der von ihm erbauten Kirche des Klosters Noblat bei Limoges
beigesetzt, dessen erster Abt er war. Bald war er im Rufe der
Heiligkeit, Gefangene flehten zu ihm; er befreite sie und brach ihre
Ketten. Er ward zum hl. Bandlöser. Aber auch von Gebärenden und von
vielen Pilgern wurde er angerufen.
Mit der Zeit wurden die
Gefangenenketten vom Landvolk in Viehketten umgedeutet - und das
bäuerliche Volk hatte seinen Viehpatron.
Viele Kirchen wurden ihm zu Ehren
erbaut und zahlreiche Wallfahrten und Leonhardifahrten - wie sie dann
später genannt wurden - zeugen von der großen Verehrung Leonhards bis
auf den heutigen Tag.
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