Volksschule Kreuth

Die Nachrichten über die Schulverhältnisse in früherer Zeit in Kreuth sind sehr dürftig. Schullehrer werden von 1492 bis 1543 in Kreuth erwähnt. Von konsequenter Durchführung des Schulzwangs konnte keine Rede sein, doch besuchten am Anfang des 18. Jahrhunderts 70 Kinder aus Kreuth und Egern die Schule in Tegernsee, wo sie im Lesen, Schreiben, im Canisius und ein Teil auch im Rechnen unterrichtet wurden. Das erste Schulhaus in Kreuth wurde im Jahr 1794 erbaut.

Die allgemeine Schulpflicht im Kurfürstentum Bayern wurde bereits 1771 verordnet, es konnte aber erst 1802 eine sechsjährige gesetzliche Unterrichtspflicht durchgesetzt werden.

Am 23. Dezember 1802 wurde unter Kurfürst Max IV. Josef (1799 – 1806) und nachmaligen König Max I. Josef (1806 – 1825) sowie seinem leitenden Minister Maximilian Freiherr von Montgelas (1759 – 1838) in Bayern die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Eine ihrer ersten Maßnahmen betraf unter Betonung der staatlichen Zuständigkeit für das Schulwesen die Auflösung des seit 1573 kirchlich dominierten Geistlichen Rates als Zentralbehörde und damit die Neuordnung der gesamten Unterrichtsverwaltung. Auf diese Weise wurde das Schulwesen gegen den Widerstand der Kirche alleinige Staatsangelegenheit. Vom 6. bis zum 12. Lebensjahr sollte jedes Kind zumindest Lesen, Schreiben und Grundbegriffe im Rechnen lernen sowie Religionsunterricht erteilt bekommen. Die sechsjährige Schulpflicht galt in Bayern bis 1856. Im Anschluss sollte bis zum 18. Lebensjahr eine Verfestigung des Gelernten und Weiterbildung in den Sonn- und Feiertagsschulen folgen. Um den nötigen Zwang hinter die Verordnungen zu setzen, mussten bei Heirat und Grunderwerb die Abschlusszeugnisse vorgelegt werden. Weitere Schularten, die den bis heute üblichen stufenweisen Aufbau zeigen, waren die Mittelschulen, Gymnasien und Lyzeen; daneben gab es Arbeitsschulen, in denen Mädchen und Buben hauswirtschaftliche und handwerkliche Fähigkeiten vermittelt bekamen.

Am 12. September 1803 wurde die Werktagsschulpflicht durch die Sonn- und Feiertagsschulpflicht ergänzt, der fortan „sowohl Knaben, als Mädchen vom 12ten bis zum 18ten Jahre einschlüßig“ unterlagen.

 

Den Bauernkindern das Lesen und Schreiben beigebracht "sovill er kunnte"

Den Bauernkindern das Lesen und Schreiben beigebracht "sovill er kunnte"

Kreuth 1902


Die Gemeinde Kreuth, früher allgemein als "im Winkel" bezeichnet, ist urkundlich seit 1184 bekannt. Abt Rupert von Tegernsee erbaute zu dieser Zeit dort eine Kirche, die dem hl. Leonhard geweiht war. 1491 entstand die spätgotische Kirche, die im allgemeinen bis heute erhalten blieb. Die Nachrichten über die Schulverhältnisse in früherer Zeit sind sehr dürftig. Schullehrer werden von 1492 bis 1543 in Kreuth erwähnt. Es scheint sich um Wanderlehrer gehandelt zu haben, nach deren Abzug die Schule wieder einging. Eine alte Klosterrechnung von 1514 verzeichnet die Ausgabe von 11 Kreuzern für Schulkinder aus Kreuth. Von konsequenter Durchführung des Schulzwanges konnte keine Rede sein, doch besuchten am Anfang des 18. Jahrhunderts 70 Kinder aus Kreuth und Egern die Schule in Tegernsee, wo sie im Lesen, Schreiben, im Canisius und ein Teil auch im Rechnen unterrichtet wurden.

Die Möglichkeit zu regelmäßigen Schulbesuch, wenigstens für den Sommer, brachte die 1717 erfolgte Gründung der Volksschule in Egern, in deren Schulsprengel Kreuth eingegliedert war. Wegen der zuweiten Entfernung wurden die Kinder, vor allem im Winter, vielfach nicht zur Schule geschickt. Um jeder Ausrede den Boden zu entziehen, betrieb der Expositus P. Placidus Weinmann beim Abt in Tegernsee den Bau eines eigenen Schulhauses in Kreuth. Seit dem Jahre 1776 war es Joseph Gloggner, der als Mesner und Lehrer von Kreuth im Austragsstüberl des Zahlerhofes neben der Kirche die Kinder im Lesen und Schreiben unterrichtete, aber eben nur "sovill er kunnte".

links: Kreuth erstes Schulhaus, rechts: alter Pfarrhof

Das erste Schulhaus in Kreuth - das spätere und inzwischen abgebrochene Seidlhaus - wurde im Jahre 1794 unter Abt Gregor Rothenkolber zu Tegernsee neu erbaut. Es enthielt lediglich das Schulzimmer und ein Wohnzimmer mit Küche. Die Geldfrage war bereits durch eine testamentarische Schenkung des Abtes Benedikt Schwarz gelöst worden. Der erste Schulmeister, der im neuen Schulhaus einzog, war Frater Konrad Matheis von Tölz, der 6 fl Schulgeld und vom Kloster den übrigen Unterhalt bezog. Die Bezahlung erfolgte von 1805 ab auf Kosten des deutschen Schulfonds, der nach der Säkularisation vielfach auch aus Mitteln der Bruderschaften gespeist wurde. Der Nachfolger des Fraters war im Jahre 1804 der geprüfte ledige Lehrer Sebastian Intenkofer von Aying. Er verdiente mit seinen Nebenverdiensten 149 fl. 30 Kinder besuchten damals die Volksschule in Kreuth, davon waren 10 Arme. Das Schulhaus wurde vom Kloster unterhalten und seine Beschaffenheit wird als schlecht bezeichnet, die Situation als gut.

Unter besonderen Anmerkungen über die Schulverhältnisse heißt es:

  1. Kein Legat ist vorhanden
  2. Der Schulapparat ist sehr schlecht bestellt
  3. Die eingeführte Feiertagsschule wird fleißig besucht
  4. Die Kenntnisse sind sehr gut und genügend

Weil aber mit Aufhebung des Klosters auch der Bezug aller bisher gewährten Naturalien entfiel und auch sonst das Leben in Kreuth sehr teuer war, gab er bald um Versetzung ein. An seiner Stelle trat der bisherige Freisingsche Elementarlehrer Matthias Lutz. Beim Ableben seines Nachfolgers ergaben sich für den Bestand der Kreuther Volksschule ernste Schwierigkeiten. Pfarrer Augustin Schmid übernimmt auch den Schuldienst. Im Jahre 1822 schreibt das Königliche Landgericht Tegernsee über das Schulhaus in Kreuth. "Der Feuchtigkeit des hiesigen Schulzimmers wird niemals ganz abgeholfen werden können, so lange das Schulhaus auf dem gegenwärtige Platze steht. Es steht gegen Mittag und Mitternacht, an dem Fuße zweier kleiner Anhöhen und gegen Mitternacht auch noch ganz nahe an einem Bache, der von einem entfernten Berge herab an selben vorbeifließt, und unmöglich anders wohin gelenkt werden kann." Da keine Mittel für einen Umbau vorhanden waren, zog man in Erwägung, die Pfarrschule in Kreuth aufzulösen und die 32 Kinder, die damals zur Schule gingen, in die Pfarrschule Egern zu schicken. Pfarrer und Schulinspektor Augustin Schmid bewies aber die Unmöglichkeit einer solchen Lage zu dieser Zeit. Unter Durchschnitts-Berechnung über das Einkommen der Schulgelder, bei der Schule Kreuth, von 1822 bis 1831 steht unter Bemerkungen:

Seelenzahl der Pfarrei 255
Zahl der Häuser 36
Weiteste Entfernung vom Schulorte 3/4 Stunden
Beschaffenheit der Wege sehr gut.
Zum Schulsprengel gehörten: Pfarrort Kreuth, Brunnbichl, Enterfels, Leiten, Point, Riedlern.

1824 sieht sich Schmid durch seine Krankheit veranlaßt, einen Lehrer anzufordern. Er kann den Schuldienst nicht mehr regelmäßig durchführen, außerdem muß der Gottesdienst ohne jede musikalische Umrahmung stattfinden. Ein Lehrer verdient zu dieser Zeit 180 fl. Pfarrer Schmid schreibt an die königliche Distriktschulinspektia in Egern: "Dieser Ertrag (180 fl) ist noch weit unter dem Grade jenes gesetzlichen Einkommens, das den Schullehrern versprochen worden ist, und kann einen Lehrer in der hiesigen Gegend, wo die Lebensmittel immer noch teuer sind, unmöglich hinreichen, seine Lebensbedürfnisse zu befriedigen. Das wird dann die schlimmen Folgen haben: der neuanzustellende Lehrer wird auch wieder so, wie der Verstorbene, mit beständigen Nahrungssorgen zu kämpfen haben, er wird unzufrieden und mißmutig werden, er wird auf Gesuche um Gratifikationen, Versetzung oder Beförderung sinnen und mit selben die allerhöchste Stelle bestürmen müssen."

Josef Mällisch, gebürtig zu St. Katharina im Königreich Böhmen, trat 1825 den Schul- Kantor- und Mesnerdienst in Kreuth an. Ihm folgt der Lehrer Dellinger, der schon im Jahre 1829 wieder abtritt. Zur Anstellung eines neuen Lehrers schrieb Augustin Schmid an das Königlich Bayerische Landgericht in Tegernsee:

  1. "Die 100 Gulden für die Reparatur am Schulhaus, die von der Regierung genehmigt wurden, sind so verwendet worden, daß das Schulhaus nicht nur ein respektables Aussehen, sondern auch Lehrer und Kinder zwei schöne Zimmer mit den nötigen Gerätschaften erhalten haben. Bei diesen Reparaturen ging man immer von der Ansicht aus, daß sich in Kreuth nur ein lediger Schulmann werde fortbringen können.
  2. Das dringendste Bedürfnis für die hiesige verwaiste Schule ist, daß derselben ein gut gebildeter Pädagoge, ein herzlicher Kinderfreund, ein solider und gesitteter Mann gegeben werde welcher die schönen Fortschritte der hiesigen Schule in ihrer Vervollkommnung, auf die sie der abtretende Lehrer Dellinger mit unermüdlichen Fleiß hingeführt hat, auch wieder zur Zufriedenheit der hohen Schulvorstände fortzusetzen sich bestreben wird. Auch sieht das ganze Pfarrvolk (Kreuth bestand damals aus 42 Familien) in dem neuen Lehrer so einem Kantor entgegen, der selber mit seiner Musikkenntnis beim feierlichen Gottesdienstes in der Andacht erbauen kann. Auf diese Bedürfnisse ist aus dem Grunde eine besondere Rücksicht zu nehmen, weil Kreuth in den Sommermonaten von vielen höchsten und hohen Badgästen besucht wird, mit welchem Lehrer und Schulkinder nicht selten in Berührung kommen!
  3. Die Gesamteinnahme der Lehrer in dieser Qualität beträgt höchstens 180 fl und in den Wintermonaten das notwendige Brennholz für die 2 Zimmer.
    - 100 fl aus dem Schulunterrichtsfond
    - 25 fl aus den Kirchenmitteln
    - 36 fl Schulgeld
    - 12 fl Mesner, Gebetläuten, Uhraufziehen.

Wie die Lage eines Lehrers zur damaligen Zeit in Kreuth war, geht aus einem Brief des Lehrers Carl Plostorfer hervor, der am 18. Juni 1831 geschrieben wurde: "Durch das Bewußtsein aufgemuntert, daß die Königliche Bayerische Regierung billige Gesuche gnädigst berücksichtiget, wag ich die unterthänigste Bitte zu stellen: "die Königliche Regierung des Pfarrkreises möge mir in meiner armen Stellung eine gnädigste Gratifikation huldvollst verleihen," und erlaube mir folgende Motive gehorsamts beizufügen:

  • So ist es unmöglich, daß ich bei dem fixen Gehalte von nicht mehr als 150 fl leben, mich kleiden und halten kann, wie es für ein Lehrer anständig ist, der nicht auf entwürdigende Weise die Gnade der Gemeinde anbetteln will,
  • möchte seine hohe Königliche Regierung auch dem unterthänigst beigegebenen Zeugnisse von der Königlichen Distriktsschulinspektion Egern ersehen, daß ich der höchsten Gnade einer gnädigsten Unterstützung nicht unwürdig bin
  • wage ich es gehorsam zu bemerken, daß ich schon zwei Jahre die so hohe Gnade einer Gratifikation zu genießen für würdig befunden wurde."

Ein Jahr später, am 12. Juni 1832 wurde einem Antrag Plostorfers zur Versetzung stattgegeben und er trat seinen Dienst in Dorfen an. Die Verwesung des Schuldienstes wurde dem Privatschuldienstaspektanten und Lehrersohn Joseph Bauer zu Eitting, Landgericht Erding, am 11. Juli 1832 über lassen. Sein Gehalt betrug 1852 220 Gulden, 33 Kreuzer und 6 Klafter Dienstholz. Aber erst 1863 wurde ihm durch Regierungsentschließung der Schul- und Kirchendienst, in Kreuth, verliehen. Am 14. Juni 1864 starb Joseph Bauer. In der Zeit in der Joseph Bauer in Kreuth war, tauchten die ersten Pläne für einen Um- und Neubau des Schulhauses auf, scheiterten aber sofort am Kostenpunkt. Die primöse Baupflicht, die von der Regierung der Gemeinde zugeschrieben wurde, wollte diese nicht über nehmen. "Das Schulhaus sei 1794 vom Kloster erbaut, immer von diesem unterhalten worden, war dessen Eigentum, wie Kirche und Pfarrhof auch, alle drei sind nach der Säkularisation Eigentum des Staates geworden." Die Regierung stellte keine Mittel in Aussicht.

Es kam schließlich soweit, daß das Landgericht Miesbach die Auflösung des Schulsprengels Kreuth oder die Umwandlung der Expositur in ein Schulbenefizium vorschlug. 1840 wurde das Schulhaus aber doch um ein Stockwerk erhöht, natürlich ohne beiderseitige bindende Anerkennung jeglicher Baupflicht. Der Umbau erfolgte aus Mitteln freiwilliger Spenden, zu denen Königin Caroline von Bayern 400 fl, die Kaiserin Alexandra von Rußland 200 fl beisteuerte. Die Kosten des Umbaues betrugen 1368 Gulden.

Zwischendurch war sogar ein neues Schulhaus geplant, welches heute an die westliche Friedhofsmauer angrenzen würde. Die Verhandlungen über die Baupflicht gingen darüber hartnäckig weiter. 1846 endlich zeigte sich die Gemeinde zur Übernahme der selben geneigt, aber es vergingen immerhin noch 15 Jahre, bis etwas geschah. Anscheinend war in Kreuth 1859 ein neues Schulhaus geplant oder zumindest gewünscht, weil es in einem Schreiben der Regierung an die Gemeinde Kreuth heißt, die Königliche Regierung besteht auf Erweiterung der bestehenden Räumlichkeiten des Schulhauses. 1862 wurde der Bau genehmigt, mit der Bedingung, daß alle nachteiligen Folgen, die im Laufe der Zeit entstünden, von der Schulgemeinde Kreuth getragen werden müssen. Das Schulzimmer wurde neu hergerichtet, ein neuer Ofen aufgestellt und feuergefährliche Gegenstände entfernt. Ein deutlicher Abschluß zwischen Schulzimmer und Lehrerwohnung wurde hergestellt. Die Abzahlung des Baues erfolgte in barem Geld und in Naturalien, die von den Gemeindebewohnern aufzubringen waren.

Im Jahre 1864 wurde dem 26 jährigen Schulgehilfen Alois Oberhauser aus Garmisch, der bereits ein reines Einkommen von jährlich 350 fl erhielt, das Amt des Lehrers in ständiger Eigenschaft übertragen und der nach drei Monaten Amtszeit den Nachweis liefern mußte, daß er dem Unterstützungs- "Verein der Schullehrer" als Mitglied beigetreten sei. Im Schuljahr 1866/67 besuchten 14 Feiertagsschüler und 25 Werktagsschüler die Schule in Kreuth. Das Schulgeld errechnete sich aus den Zahlungen der Kinder, wobei ein Werktagsschüler für ein Quartal 24 Kreuzer, ein Feiertagsschüler 12 Kreuzer zu bezahlen hatte. Von 1868 an war Joseph Sedlmaier Lehrer in Kreuth. Er führte einen langen Papierkrieg wegen seines Gehalts. 350 fl standen ihm als jährliches Minimalgehalt zu, die Schulfassion schloß aber zu dieser Zeit mit einem reinen Einkommen von 173 fl ab. Sedlmaier fordert den Rest von der Gemeinde, welche ihn wiederum an den Staat verwies. Der Streit weitete sich aus, es wurde Anzeige erstattet, und der Fall endete schließlich mit der Versetzung Sedlmaiers nach Niklasreuth im Februar 1869. Die freie Lehrstelle übernahm nebenbei Pfarrer Emmeran Liedl. Er hielt regelmäßig täglich 3 Stunden Unterricht und setzte die Feiertagsschule fort. Ihn löste Albert Lierheimer ab, der von Kreuth dann wieder nach Peterskirchen versetzt wurde.

Am 25. Mai 1884 wurde der Schul-, Mesner-, Kantor- und Organistendienst dem Lehrer Kaspar Leipfinger aus Ascholding mit einem fassionsmäßigen Einkommen von 298 Mark 11 Pfennig übertragen. Offenbar war mit Leipfinger genau der richtige Mann nach Kreuth gekommen und nur durch seinen persönlichen Einsatz war eine Einteilung des Schulsprengels, wie er zum größten Teil noch heute besteht, möglich. Schon 1883 setzten die Verhandlungen, mit dem Rentamt in Miesbach, über die Einteilung des Schulsprengel Glashütte - Kreuth - Egern ein. Ein Entwurf der Abgrenzung der Schulsprengel wurde am 21. Januar 1886 durch die Königliche Regierung von Oberbayern genehmigt: "Die Grenzen gegen den Schulsprengel Kreuth bilden auf Seite Egern die Plannummern 1954, auf Seite Kreuths Plannummer 1956 mit Rasselgraben, dann ein Stück des Söllbaches bis zur Luckengraben Alpe, (diese selbst nach Egern gehörig) bis zum angrenzenden Lucknergraben, alsdann der Lucknergraben bis zur Luckenalpe, alsdann bilden die Grenze auf Seite Kreuths die dahin gehörigen Plannummern 1927 und 1925 bis zur Holzpoint (nach Kreuth gehörig) herab bis zur Leiten und Scharling.

Schule Glashütte:
Grenze gegen Kreuth: Vom Mühlriedeck weg bildet die Grenze Plannummer 1984 (auf Glashütter Seite an- grenzend an die Schwarze Tennalpe), dann Plannummer 1999 (Schwarzbach) zur Klamm, von dieser weg Plannummer 2203, dann Königsalpe von da weg Plannummer 2172.

Schule Kreuth:
Grenzen gegen Egern: Plannummer 1956, Rasselgraben, Söllbach bis zur Luckengrabenalpe, diese selber bis zum angrenzenden Lucknergraben, der Luckner graben, die Luckenalpe, Plannummer 1927 und 1925 (auf Kreuther Seite) bis zur Holzpoint gegen Leiten und Scharling.

Über den Schülerbesuch erfahren wir näheres aus der Durchschnittsberechnung vom 3. März 1886, über die in den nächsten 5 Jahren für die Schule Kreuth zu erwartenden Werktagsschüler:

Jahr 1. Schuljahr 2. Schuljahr 3. Schuljahr 4.Schuljahr 5. Schuljahr 6. Schuljahr 7. Schuljahr Gesamtzahl
1886 5 7 7 4 8 3 7 41
1887 6 5 7 7 4 8 3 40
1888 5 6 5 7 7 4 8 42
1889 3 5 6 5 7 7 4 37
1890 11 3 5 6 5 7 7 44
                205:5=40

Bemerkung: Gegenwärtig (1885/86) besuchen die hiesige Schule aus Scharling: 6 Kinder, die oben nicht mit gezählt sind.

Jährlicher Zugang und Abgang:

Jahr Zugang Abgang
1880/1 - -
1881/2 - -
1882/3 - 1
1883/4 - 5
1884/5 4 1
  4:5=1 7:5=1

Durchschnittsberechnung der in den nächsten 5 Jahren für die Schule Kreuth zu erwartenden Feiertagsschüler nebst Zugang und Abgang:

Jahr 1 Jahr 2. Jahr 3. Jahr Gesamtzahl
1886 1 7 6 14
1887 7 1 7 15
1888 3 7 1 11
1889 8 3 7 18
1890 4 8 3 15
        73:5=15
Jahr Zugang Abgang
1880/1 3 4
1881/2 - -
1882/3 - 1
1883/4 1 -
1884/5 5 -
  9:5=2 5:5=1
Schulhausneubau

Neben den Verhandlungen zur Einteilung des Schulsprengels, begannen auch 1885 die ersten Besprechungen über einen Schulhausneubau in Kreuth. Das bestehende Schulhaus war bald wieder zu klein geworden und Untersuchungen ergaben, daß ein An- oder Aufbau zu gefährlich und nicht möglich seien.

Am 2. Mai 1888 lag ein "Programm" für den Schulhausneubau vor:

  1. Das neue Schulhaus soll in östlicher Richtung vom jetzigen in die Wiesen des Gastwirtes Obermayer und des Spitzeranwesensbesitzers Hagn gebaut werden.
  2. Die Höhenlage des inneren Bodens soll mindestens 60 cm betragen, weil das Schullokal in das Erdgeschoß kommen soll.
  3. Das Schulzimmer soll Raum für 70 Kinder gewähren. Folgend werden Lehrersitz, Mittelgang und Seitengang beschrieben, Lichteinfall, Stand des Ofens, Stockwerkhöhe, Lehrerwohnung, Waschhaus, Wasser.

Am 16. Juni 1890 beschloß die Gemeindeversammlung "mit allen Stimmen bei schriftlicher Abstimmung eigenhändig unterzeichnetes Protokoll errichtet wurde, - was folgt:
der Neubau eines Schulhauses erfolgt,

a) weil die Lehrerwohnung eine ungemein beschränkte ist
b) weil es an der Zeit ist, daß das mehr einer Hütte ähnliche Gebäude ersetzt werde
c) weil das Schulzimmer im jetzigen Schulhause für die große Schülerzahl zu klein ist."

Ein Jahr später wird der Kostenvoranschlag durch Baumeister Joseph Hofmann aus Tegernsee und dem technischen Bauleiter Carl Häber aus Miesbach eingereicht:
Kosten der Hauptgebäude 28734 Mark 68 Pfg., der Nebengebäude 2624 Mark 99 Pfg.

Das neue Schulhaus von 1891

Bürgermeister Hagn schrieb am 12.9.1891 an den Bezirksamt-Assessor in Tegernsee, daß soeben von der technischen Bauleitung das vollendete Schulhaus der Gemeinde Kreuth übergeben wurde." Es ist wohl nur der Überzeugungskunst des Lehrer Leipfinger zuzuschreiben, daß die Gemeinde Kreuth in den folgenden Jahren laufend Zuschüsse erhielt und es so ermöglicht wurde, daß im neuen Schulhaus schon bald Verbesserungen vorgenommen wurden und das bestehende Gemeindezimmer zeitweise dem Lehrer als zusätzlicher Wohnraum kostenlos überlassen wurde.

Seit 1887 ist auch die Ortschaft Scharling dem Schulbezirk Kreuth zugeteilt. Durch diese Umgliederung wurde es notwendig, daß die Weißachauen neu vermessen und nummeriert wurden. Über die Größe des Schulhauses schrieb am 28.2. 1893 in Bezug auf den Umschulungsantrag der Gemeinde Kreuth, Lehrer Leipfinger: "Das Schulzimmer im neuen Schulhaus zu Kreuth bietet Raum für 100 Kinder, während die Schule z.Zt. nur von 54 Kindern besucht wird; es besteht darum vom Standpunkte der Platzfrage gegen die projektierte Zuteilung eines Stückes des Schulsprengels Egern zum Schulsprengel Kreuth keine Erinnerung." Am 4. September 1893 erfolgte die Einverleibung der sog. Langenau zu Kreuth. Den Kindern wurde so der bisherige Schulweg, der über Kreuth nach Egern von 5 Stunden auf 2 1/2 Stunden verkürzt. 1897 erhielt Kreuth eine neue bedeutende Vergrößerung auf Kosten des Schulsprengel von Egern in der Richtung Setzberg - Wallberg mit der Begründung, daß der fragliche ärarialische Grundkomplex der Schule Kreuth näher liege.

1899 betrug die Seelenzahl des Schulsprengels 453. Leipfinger verdiente zu dieser Zeit durch den Schuldienst 367 Mark 69 Pfg., durch Kirchendienst 118 Mark 9 Pfg. zusammen also 485 Mark 78 Pfg. Bereits 1902 bezog er ein Jahreseinkommen von 1200 Mark. Erst 1908 beantragte Lehrer Götz die Trennung des Mesnerdienstes vom Schuldienst, die dann auch kurz darauf erfolgte.

Erweiterungsplan

Schon bald machte sich die Raumnot im Kreuther Schulhaus wieder bemerkbar. Neue Verhandlungen setzten ein, und endlich schrieb am 7. August 1935 die Regierung von Oberbayern an das Bezirksamt in Miesbach einen Bericht mit folgendem Inhalt:

  1. Die Errichtung eines Schulsaales in Dorf Kreuth aus den Räumen der Gemeindekanzlei und einem Teil des Ganges wird schulaufsichtlich genehmigt. Die Genehmigung erfolgt zur Beseitigung der Schulraumnot trotz des ungünstigen Grundrisses.
  2. Ausdrücklich wird betont, daß z.Zt. keine Zusage gegeben werden kann, ob trotz der Bereitstellung eines 2. Schulsaales auch ein 2. Lehrer zur Verfügung gestellt werden kann. Die Regierung hat zwar die Abstellung eines zweiten Lehrers bei den Ministerien dringend befürwortet, doch ist eine Entscheidung noch nicht gefallen.

Der 2.Weltkrieg brachte auch in Kreuth den Schulbetrieb aus seinem gewohnten Lauf. In den letzten Kriegsjahren wurde das Schulhaus als Lazarett benutzt und der Schulbetrieb wurde in den Stuben einiger Privathäuser abgehalten. Im Jahresbericht von 1946/47 ist über den inneren Schulbetrieb zu lesen, daß in Zeiten allgemeiner Not und dürftigster Ernährung von einem regelmäßigen Unterricht keine Rede sein kann. Und vom äußeren Schulbetrieb ist zu lesen: Zum ersten Mal die Forderung, daß die Dreiteilung der Schule auch die Bereitstellung von 3 genügend großen Schulräumen verlangt. Es sind aber sozusagen nur 1 1/2 Schulzimmer vorhanden mit 77 bzw. 32 qm Rauminhalt. Dies zwingt zur täglichen doppelten Benutzung des großen Schulsaales. Jahresbericht 1949/50: Den 4 Klassen stehen nur 2 Schulräume, ein ausreichendes und ein unzulängliches zur Verfügung, so daß sowohl Wechsel- wie auch Abteilungsunterricht eingerichtet werden mußte; 2 Ausweichräume, einer im Rathaus, einer in einem Privathaus mußten benutzt werden. Der Turnunterricht kann nur bei gutem Wetter auf dem schön gelegenen Sportplatz durchgeführt werden. Jahresbericht 1951/52 und 53: Zu Beginn des Schuljahres standen bereits die neuen vorbildlichen sanitären Anlagen zur Verfügung. Die der Initiative der Lehrkräfte und der überaus schulfreundlichen Einstellung des Bürgermeisters und der Gemeinde zu verdanken waren, die baulichen Erweiterungen des Schulhauses werden vom kommenden Schuljahr an einen uneingeschränkten Unterrichtsbetrieb gewährleisten.

Volksschule Kreuth

Am 24.1.1953 fand in Anwesenheit vom Herrn Regierungspräsidenten, von Vertretern des Schul- und Landratsamtes, der Kirche, der Gemeinden und Nachbarschulen die feierliche Einweihung des Neubaues (2 Schulräume im 1. und 2. Stock nach Westen hin) statt. Seitdem verfügt jede Klasse über ihren eigenen Schulraum. Seit die Schulraumnot behoben ist, konnte der Unterrichtsbetrieb eine Ausweitung zum vorgeschriebenen Stundenmaß erfahren.

1960 war es Lehrer Joseph Wengermayer, der für die Planung einer Turnhalle umfangreiche Vorarbeit leistete und schon am 28.1.1963 wurden diese Anstrengungen mit der Einweihung der neuen Schulturnhalle abgeschlossen. Am 3.9.1963 wurde die einklassige Volksschule Glashütte aufgelöst und die 15 Schüler wurden in der Volksschule Kreuth ohne organisatorische Schwierigkeit eingeschult. Seit dem 9. Oktober besucht auf Grund fernmündlicher Anweisung des Schulamtes der 8. Schülerjahrgang mit 3 Knaben und 4 Mädchen die Volksschule Rottach- Egern. Die Beförderung der Schulkinder vom Heimatort zur Schule übernahm die Gemeinde, die seit Herbst 1965 für diesen Zweck einen Schulbus zur Verfügung stellt.

Hier muß auch der Schulkinderchor der Volksschule Kreuth erwähnt sein, der unter Leitung von Oberlehrerin Frau Maria Angermüller nicht nur bei internen Schulveranstaltungen sondern auch bei öffentlichen Gedächtnissendungen und Singwettbewerben mitwirkt und den guten Ruf der Kreuther Schule unterstützt und fortführt.

Aber was wird auf die Gemeinde Kreuth und ihre Volksschule in Zukunft noch zukommen? Die Neugliederung der Volksschulen" kann auch an Kreuth nicht ungeachtet vorübergehen, und hoffendlich nimmt die Regierung den Entschluß des Elternbeirats an, nicht wie zuerst vorgesehen in Kreuth nur die Grundschule bestehen zu lassen sondern auch noch die Klassen 5 und 6. Wenn es soweit kommt dann werden im nächsten Schuljahr die Kinder ab der 7. Klasse die VS Rottach-Egern besuchen.

Im Herbst dieses Jahres wird ein neuer Lehrer Hauptlehrerin Frau Erika Günther, die sich, obwohl schon pensioniert, noch ein Jahr freiwillig in den Schuldienst gestellt hat und sich nach weit über 20jähriger Arbeit in Kreuth zurückzieht, ablösen und es bleibt zu wünschen, daß das Verhältnis Lehrerschaft - Eltern -Kinder unverändert, und der gute Ruf der Volksschule Kreuth weiter erhalten bleibt.

Quellenangabe:
Staatsarchiv für Oberbayern: KL Fasz. 892 KL Teg. 737 Fasz. 737 - 765 - 767 - 784
Regierungsakten: Arch. Mü. 575 - 576 - 577
Kißlinger - Chronik von Egern;
OL Rehle - Chronik von Kreuth
Seminararbeit von Winkler Christoph Kreuth, April 1969

Protokoll

 

Die Gebietserweiterung, zu der die Schulkinder im Jahr 1896 der Gemeinde Kreuth verholfen hatten, ließ die Rottacher Nachbarn nicht ruhen. Fast zwei Jahrzehnte später - im Frühjahr 1914, kurz vor Ausbruch des 1. Weltkriegs - beantragten sie die Ausgemeindung der zur politischen Gemeinde Kreuth gehörigen Ortschaften Weißach, Reitrain, Ringsee und Gschwendt und deren Einverleibung nach Rottach. 67 betroffene Bürger (nach ihrem Steueraufkommen verfügen sie über 130 Stimmen) billigen ohne Gegenstimme das Veto der Gemeinde Kreuth: Sie wollen Kreuther bleiben. Wenn man den Anfängen nicht währet, so etwa argumentierten sie, könnten die Rottacher auch noch nach Enterbach, Oberhof, Pförn, Schärfen und Scharling greifen und damit die halbe Gemeinde Kreuth verlangen. Außerdem würde die Gemeinde Kreuth durch die angestrebte Ausgemeindung finanziell so geschwächt, daß sie die bevorstehenden Belastungen wie Bau eines Feuerwehrhauses, Renovierung des Schulhauses und Armenunterhalt nicht tragen könne.

 

Erinnerungen einer Kreuther Lehrerin

Erinnerungen einer Kreuther Lehrerin

Nach Krieg und Vertreibung hatte mich ein gütiges Schicksal 1946 nach Kreuth verschlagen. Es war aber nicht leicht, wieder in den Schuldienst zu kommen. Die Quote der in Bayern aufzunehmenden Flüchtlingslehrer sei bereits überschritten, lautete der Bescheid. Erst 1950 wurde ich Dank eines Fürsprechers bei der Regierung von Oberbayern als Lehrerin in Kreuth angestellt. Es gab keine Schwierigkeiten als ich das 1. und 2. Schuljahr übernahm. Ich war nicht mehr fremd in Kreuth und hatte auch schon daheim die Unterstufe unterrichtet. Das vertrauensvolle Verhältnis zu Frau Günther garantierte eine gute Zusammenarbeit der Lehrer, der Schüler, wie auch der Schülereltern. Auch die Kreuther Volksschule war für die Kinder nicht die reinste Vergnügungsstätte. Man hatte zu arbeiten, zu lernen, man schickte sich drein und manchmal machte es auch Spaß und Freude. Es kam oft vor, daß ich schon vor dem Schuleintritt von einem zukünftigen ABC-Schützen angehalten wurde: Frau Angermüller, jetzt kim i bald, an Schulranzen hob i scho! Einmal, am ersten Schultag, als ich zu einem Spiel aufforderte, sagte mir eine ganz wißbegierige Schulanfängerin: "Spuin kenna ma scho, jetz lern uns liaber lesen!"

Mitunter gab es sehr stille, ängstliche Schulneulinge, denen man wohl schon manchmal gedroht hatte: "Wart nur, bis d in d Schui kimmst!" Größere Geschwister waren an solchen Prophezeiungen gern beteiligt und fühlten sich an Erfahrung überlegen. Ich erinnere mich an ein kleines Mädchen, das in der ersten Schulwoche kein Wort über die Lippen brachte. Auf alle noch so freundlich gemeinten Aufforderungen blieb sie stumm, nickte nur oder schüttelte den Kopf, schien aber ein Gelübde getan zu haben, ja nicht zu sprechen. Da half mir nur der Kasperl alle Schulangst zu verscheuchen. Der bewunderte die neuen Schulkinder, die schon so groß und so gescheit waren, bestaunte ihre schönen Schulsachen und brachte natürlich mit seinen lustigen Verwechslungen und Späßen alle zum Lachen. Als dann noch das haarige Ungeheuer hinter der Tafel hervorspitzte, hörte ich eine neue, ganz kräftige Stimme: "Den Loder, den schiachn, den schau i mir jetz nimmer länger o!" Damit stand die kleine Person energisch auf und marschierte zur Tür. Ich konnte sie aber noch zum Bleiben bewegen und sie wollte jetzt auch mit mir reden, nicht nur mit dem Kasperl, weil sie doch eine so schöne Stimme hatte. Bald wurde sie eine ernsthafte, eifrige Schülerin.

Das Lesenlernen war stets eine lustige Entdeckungsreise und machte den meisten Kindern Spaß. Man konnte die "Mutter" zu "Butter" verzaubern, "Hase zur "Nase" und das "Haus" zur "Maus". Die ersten kleinen Bildgeschichten in der Fibel waren als Ganzes leicht "vorzulesen", ohne mühsames Buchstabenaneinanderreihen. Nur einmal klopfte ein besorgter Großvater mitten im Unterricht an die Klassentür und klagt: "Der S., der derlernt s Lesen net!" Ich wunderte mich sehr, wo er doch im Unterricht fleißig bei der Sache war, alles verstand und gut wiedergeben konnte. Da meinte der Großvater: "Ja, aber er liest allwei "Roß" und in der Fibel da steht "Pferd". Als ich dann lachend erklärte, das wäre doch dasselbe, in Bayern heißt es ja Roß und der S. hat es eben gleich ins Bayerische übersetzt, da schaute mich der alte Herr recht sonderbar an und ging kopfschüttelnd davon. Es hat aber nicht lange gedauert, bis er überzeugt war, daß sein Enkel schon richtig lesen gelernt hatte. Manche Eltern stellten große Ansprüche an ihre Sprößlinge. Die Hausaufgabe war nie schön genug. Ich riet immer, nicht zu streng zu beurteilen, damit die Kinder nicht die Lust verlieren, lieber doch etwas schönes dran zu finden und zu loben. Die anderen Zeilen sollten aber auch so schön geschrieben sein. Wenn aber der Bub meint: "Des tuats scho", dann sollte es kein zwangsweises Neuschreibenmüssen geben. Eine Mutter erzählte mir allerdings einmal, daß ihre kleine Tochter selber sehr kritisch ihre Hausaufgabe beurteile. Da hieß es: "Mama, is die Hausaufgabe schee?" - "Ja, recht schee." "Na, i woaß net Mama, dir gfoit boid was!"

Es war in einer zweigeteilten Klasse (1. und 2. Schuljahr) am Anfang für die "Großen" nicht leicht, immer Rücksicht zu nehmen und mehr Stillarbeit zu erledigen als die Kleinen, die das erst lernen mußten. Oft vergaß einer der Großen seine Arbeit und schaute schmunzelnd den Versuchen der Kleinen zu. Dann brauchte ich nur zu sagen: "Magst noch einmal in die erste Klasse gegen?" und schon senkte sich der Kopf wieder übers Heft. Es war doch schöner, zu den Großen zu gehören und das alles schon zu können, was denen noch bevorstand. Oft wurde man auch zum Helfen eingeteilt und ob des großen Wissens und Könnens von den Kleinen bewundert. Es kam auch vor, daß sich je ein Geschwisterl in der ersten und zweiten Klasse befand. Der Größere hatte dann ein besonderes Augenmerk auf den Kleinen. Da wurde ich, um ja nichts zu übersehen, oftmals aufmerksam gemacht: "Frau Angermüller, der Seppi meld sich!" Oder eine "große" Schwester legte ihren Füller hin, ging zur ersten Bank vor, knüpfte der kleinen Schwester die aufgegangenen Schürzenbandl und marschierte dann wieder stillschweigend an ihren Platz zurück.

Die Kinder waren damals wohl noch enger in die Familie eingegliedert und nicht wie heute so viel sich selbst, oder dem Fernseher überlassen. Man konnte aus ihrem Erzählen nicht nur ihre Eltern hören, sondern auch die Weisheiten der Großeltern, oft im selben Tonfall. Als ich einmal recht anschaulich im Rechnen zeigen wollte, daß das Fünfmarkstück den selben Wert hat wie fünf einzelne Mark, erzählte ich von einem Buben, der jede Woche fürs Helfen 5 Mark bekam. "Einmal aber bekam er nur dieses eine Geldstück", sagte ich und zeigte es. "Ob der wohl damit zufrieden ist?" Eine Erstklaßlerin meldete sich stürmisch und sagte: "Ma muaß heit mit allem zufrieden "sein. Zufrieden und glücklich waren die Kinder wohl auch, trotz weiter Schulwege und einfacher Lehrmittel. Am Pausehof gab es stets ein fröhliches Miteinander der Schüler aller Klassen. Die Lehrer saßen am Pausenbankerl und mußten selten eingreifen, um einen Streit zu schlichten. Wenn es die Frühjahrssonne gar zu gut meinte und die Blauberge wie ein weißer Seidenvorhang das Tal abschlossen, war die Pause auch ein bißchen länger als bei Regenwetter. Zur Heimatkunde wanderten wir oft den Wasserfallweg hinauf. Da waren Wald und Wiese unsere Lehrmeister und ich staunte, was die Kinder an wissenswertem bereits mitbrachten und davon erzählen konnten.

Es gab für die Kreuther Kinder damals noch keine Möglichkeit, einen Kindergarten zu besuchen. Sie waren also noch in keiner Weise getrimmt, wenn sie in die Schule kamen. Man mußte Verständnis dafür haben, daß ihnen der Umgang mit Bleistift und Farbstiften anfangs schwer fiel. Vor Frau Günther hatten alle Schulneulinge immer großen Respekt. Ein Lob von ihr war eine Auszeichnung. Wenn sie sagte: "Ja, großartig!" da konnte man schon stolz sein. Einmal kam sie während des Rechenunterrichts kurz in unser Klassenzimmer, um etwas abzugeben und erfuhr dabei wie die Erstklaßler zählten: Fenster und Tische, Bilder und Bänke und alles was wir sehen konnten. Das war manchen zu wenig: "I ko scho bis 20ge zähln" hieß es "und i scho bis 100!" Sie wollten es auch gleich beweisen und Frau Günther sagte: "Ja großartig, seid ihr tüchtige Schulkinder!" Plötzlich bemerkte ich, daß ganz vorn ein Platz leer war. Der kleine F..., der gerade noch dagesessen, war wie vom Erdboden verschwunden. Seitlich der Zählmaschine schaute er ein wenig hervor mit großen Schreckaugen. Er winkte mir stürmisch. Ich mußte also auch hinter die Zählmaschine schlüpfen, es handelte sich offenbar um ein großes Unglück. Der sonst immer lustige Bub war ein Häuflein Elend. Er holte meinen Kopf ganz dicht zu sich herunter und flüsterte mir ins Ohr, daß es ja keiner hören sollte: "Frau Angermüller, i ko jo gar net zähln." Nachdem ich ihm versichert hatte, daß das gar nichts ausmacht und das ers schon noch lernen wird, setzte er sich mit einem Seufzer der Erleichterung wieder auf seinen Platz. Es war damals nicht üblich, ja sogar verpönt, mit den Fingern zu rechnen. Ich fand es aber sehr praktisch, denn die Finger hatte man immer zur Hand, Plättchen und Stäbchen aber mußte man erst herausholen und auflegen. Die Finger konnten Versteckerl spielen, unter die Tischkante kriechen, nacheinander oder einige auf einmal, wieder zum Vorschein kommen und halfen bei der Rechenaufgabe solange es der Anschauung bedurfte. Auf einmal hieß es: "I brauch koane Finger mehr, i kons scho a so." Mit selbstgebastelten Lehrmitteln fürs Rechnen gabs auch manchen Spaß, z.B. mit den hohen Papiertüten der sieben Zwerge oder mit den Holzkegeln, wenns um den Neuner ging. Alle wollten auf einmal drankommen beim Kegelschieben, drum mußte man aus den umgefallenen und den noch stehen gebliebenen Kegeln schnell eine Rechenaufgabe formulieren, dann war man als nächster an der Reihe, konnte versuchen, alle Neune zu treffen und Sieger zu werden.

Wenn in der letzten Stunde noch Zeit für eine Geschichte blieb, dann gabs nur lauter brave Kinder und aufmerksame Zuhörer, die aber auch ihre Meinung äußerten, wie sie den Zauberer ausgeschmiert, die Hexe gefangen, den Bösewicht bestraft hätten. Vor allem mußte jeder den gerechten Lohn erhalten. Manchmal fragte auch einer der Großen: "Is des echt wahr?" Am Ende des Märchens vom Dornröschen heißt es, daß aus dem geplanten Geburtstagsfest nun das Hochzeitsfest wurde. Da staunte ein Bub: "Mei, mit 15 hat die scho gheirat!" Sein Nachbar, ein guter Rechner, stellte fest: "Geh, die war ja scho 115." Phantasie und Wirklichkeit waren oft noch nicht ganz zu unterscheiden. Einmal flüsterte mir der Ältere zweier Brüder ins Ohr: "Sie derfn am Seppi net ois glabn was er verzählt, d Mama sogts a". Das größte Erlebnis im Zauberreich der Phantasie war für alle meine Schüler wohl das Kasperltheater. Ich besaß noch einige geschnitzte Handpuppen von daheim und bald auch wieder eine große Kasperlbühne mit Vorhang, die an den halb aufgeklappten Tafelflächen anzubringen war. Der Kasperl genoß die allergrößte Sympathie. Kam der Teufel, der es ja immer auf ihn abgesehen hatte, ein bißchen hinter dem Vorhang hervor, schrie das Publikum in höchster Lautstärke, daß es durch die Decke drang und die Großen bei Herrn Wengermayer wußten: "Aha, Kasperltheater!" Einmal war sogar ein Stück der Hohensteiner Kasperlbühne am Spielplan (mit Kreuther Abweichungen) und Frau Günther half mir, da man allein nicht alle Rollen spielen konnte. Wir planten gemeinsam die Handlung, bereiteten die Requisiten vor, sogar Blitz und Donner waren vorgesehen, letzterer entstand durch ein schepperndes Backblech. Es wurde aber dann sehr schwer, den Verlauf der Handlung einzuhalten. So viele gutgemeinte Ratschläge kamen von den Zuschauern, sogar Mordwaffen wurden dem Kasperl angeboten: "Kasperl, do host mein Füller, stech die Hex tot!" Große Aufregung entstand, als das Ungeheuer die für den Kasperl bestimmte, vergiftete Wurst selber gefressen hatte und in den letzten Zügen lag. "Kasperl geh weg, des is no net tot, des wackelt no!" Am Ende, wenn ich hinter der Bühne hervorkam, saßen sie alle mit leuchtenden Augen und heißen Backen da und schauten mich mit großen Augen an. Keiner sagte: "Das sind ja nur Puppen." Aber vorm Heimgehen hieß es: "Wann isn wieder Kaspertheater?" und die erpresserische Antwort einer Lehrerin war allemal: "Wenn ihr sehr brav seid." Ja, damals gabs noch kein Fernsehen!

Von Festen und Feiern, die im Jahresablauf und zu besonderen Anlässen stattfanden, wäre viel zu berichten. Dias und Fotos haben Erinnerungen daran erhalten und werden immer wieder mit Vergnügen betrachtet. Zur Weihnachtsfeier wurde jedes Jahr viel gesungen und manche Hirten- und Hirtenspielszene eingelernt, oft auch nach dem Unterricht geübt und geprobt. Theater spielen weckte bei vielen Kindern Begeisterung, es lag ihnen im Blut. Ich wunderte mich nicht, als ich bei einer Münchner Laienbühne zwei hervorragende Schauspieler fand, die einmal zu meinen Kreuther Schulkindern gehört hatten. Frau Günther hatte selbst einmal nach der Kreuther Chronik von Oberlehrer Rehle ein "Stückl" geschrieben und in Szene gesetzt. Es wurde zur Einweihung des umgebauten Schulhauses aufgeführt, ist leider nicht mehr auffindbar. Die Mitspieler werden sich sicher noch daran erinnern: Zu Großvater und Großmutter kamen die Kinder heim und erzählten von der neuen Schule, wie wunderbar all die neuen Einrichtungen seien, von den Schiebetafeln, den Waschbecken, der Zentralheizung, der schattenlosen Beleuchtung, dem versiegelten Fußboden usw. Der Großvater aber blieb skeptisch und meinte, das würde ja bei den "umtreiberten" Buben bald alles schön ausschauen und er erinnerte sich seiner eigenen Schulzeit und erzählte dann auch davon, wies ganz früher einmal war, im kleinen Schulhäusl, wo die Kinder alle in einer Stube von einem Frater des Tegernseer Klosters lesen und schreiben lernten. Am Ende des Spiels meinte die Großmutter, daß die Schulkinder schon recht dankbar sein müßten und jetzt noch fleißiger lernen sollten, wenn sie eine so schöne Schule bekommen haben, die viel Geld gekostet hat. Und da der Herr Bürgermeister und der Herr Baumeister heute sowieso da wären, könnten sie gleich ihren Dank sagen, was sie dann auch feierlich, im Namen aller Schulkinder, taten. Wenn sich der Faschingsdienstag nähert, gab es jedes mal viele Vorbereitungen und große Pläne. Einmal war es der Schulbus mit den "Beatles", die zuvor in der "Post" residiert hatten, ein anderes Jahr die Kreuther Kurkapelle, einmal sogar ein funktionierendes Schwimmbad, dargestellt mit einem "Badwannl" aus Blech auf einem Leiterwagerl. Wenn alle Maschkerer am Schulhof versammelt waren, zogen wir gemeinsam durchs Dorf und wurden an etlichen Haltestellen mit Guatln und Erfrischungen erwartet. Großen Spaß gab es auch hinterher beim maskierten Schifahren am Kirchenfeld.

Es gehörte ja zur Tradition aus der Zeit von Oberlehrer Rehle, daß die Schulkinder auch zu tüchtigen Schifahrern ausgebildet wurden. Gleich nach den Weihnachtsferien erfolgte die Gruppeneinteilung für den Schikurs. Alle Schulkinder zogen in einer langen Schlange zum Kirchenfeld hinauf, wo nach Überprüfung der Schiausrüstung, jeder vorfahren mußte. Nach dem jeweiligen Können erfolgte die Gruppeneinteilung. Die besten Schifahrer übernahm der Schilehrer, Toni Edbauer, ich hatte meist die Anfänger zu betreuen. Ein Dialog von damals ist mir in Erinnerung geblieben. Auf dem Weg zum Kirchenfeld folgte mir ein Erstkläßler und bewunderte meine neuen Brettl. "Sie ham aber schene Schi, Frau Angermüller, wo hams denn de kaft?" "Vom Christkindl hab ichs geschenkt kriegt", sagte ich. Er staunte: "Da müassens aber scho sehr brav gwen sei!" (Das war der kleine Wiedemann Otto, heute ein berühmter Sportler und Bergsteiger). Über den ganzen Winter gabs nun einmal in der Woche nach der Pause Schifahren am Kirchenfeld. Der Höhepunkt war das Rennen zum Abschluß, kurz vor den Osterferien. Es wurde meist auf der Abfahrtspiste in Scharling ausgetragen. Mit großem Vergnügen band ich immer den Kleinen die Startnummer über den Anorak, denn da schienen sie richtig zu wachsen und fühlten sich als ganz große Rennfahrer: "Frau Angermüller, i bin der Toni Sailer": Friedl Willibald. Dank seiner sportlichen Beziehungen hatte Herr Wengermayer oft prominente Gäste vom Schiverband zu unserem Schlußrennen eingeladen, die viel Spaß an den Kindern hatten und sich köstlich unterhielten. Es gab Funkstart und alles war hervorragend organisiert. Um das Ziel scharten sich Eltern und Zuschauer, die mit Rat und Lob, aber auch mit Trost und Brotzeit Anteil nahmen. Für die Preisverteilung am nächsten Schultag waren alle Preise auf langen Tischen im kleinen Klassenzimmer ausgebreitet. Die Preise durften selbst ausgesucht werden, erst von allen ersten, dann den weiteren Gewinnern. Eine riesige "Walchische Wurst" war immer dabei.

Bei den Erinnerungen an die Schuljahre in Kreuth darf ich einen nicht vergessen, nämlich unseren Hund, Nicki. Der war 17 Jahre lang ein treuer Hausgenosse, vom Schulhaus nicht wegzudenken. Den Schulkindern war er eigentlich nicht sehr zugetan. Er nahm sie in Kauf, denn es fiel ja manches Stückchen Wurst von den Pausenbroten für ihn ab, aber er kam sich hintangesetzt vor und war eifersüchtig. Das merkte ich besonders an seinem Grant, wenn nach den Ferien die Kinder wieder ins Schulhaus strömten. Um wenigstens während des Unterrichts dem Eingesperrt sein zu entgehen, hatte er es sich zur Gewohnheit gemacht, frühmorgens zu verschwinden. Erst wenn der Unterricht begonnen hatte und in den Klassen Ruhe eingekehrt war, stellte er sich vor unser Klassentür ein und kratzte. Da riefen die Kinder natürlich "Reilassen!" Ich stellte ihm zur Bedingung, daß er uns nicht stören dürfe und mucksmäuserl still in der Ecke, hinterm Pult liegen müsse. Nach einem Gang durchs Klassenzimmer, bei dem er freundlich wedelnd die Begrüßung der Kinder entgegennahm: "Nicki, Nicki braver Hund!" legte er sich wirklich in der Ecke nieder und schlief. Der Unterricht wurde fortgesetzt und fand kein Interesse bei ihm. Wir durften alles tun, nur nicht singen. Einmal hatte ich seine Anwesenheit ganz vergessen und ein Weihnachtslied angestimmt. "Schlafe in himmlischer Ruh", sangen die Kinder und "Uuuuh" heulte Nicki, so laut er konnte. Alles lachte und ich schimpfte: "Nicki, hör auf, du singst entsetzlich falsch!" Da meinte eine Schülerin: "Aber für an Hund singt er doch ganz sche." Sicher werden sich ehemalige Kreuther Schüler noch an andere Hundegeschichten erinnern. Es war lustig, wie Nicki jedes Jahr den neuen Schneemann im Hof wütend anfuhr, bis er merkte, daß bei dem nichts dahinter steckte und dann seine Geringschätzung auf seine Weise ausdrückte, oder wie er immer beim Faschingszug als Maschkerer mitmarschierte und von seiner Wichtigkeit überzeugt war.

Der Unterricht in Kreuth verlief sicher nach den gleichen Grundsätzen, Richtlinien und Lehrplänen wie anderswo, aber es war nicht Frau Günthers Art, sich von kleinlichen Maßnahmen gängeln zu lassen. Eine gewisse Freiheit ließen wir uns nicht nehmen und gaben unseren Schulkindern aus eigener Verantwortung mit, was immer uns möglich war. Einmal war der Schulrat von Miesbach auf dem Weg nach Kreuth. Er begegnete in Brunnbichl einer Gruppe kleinerer Schulkinder, hielt das Auto an und lud zum Einsteigen ein, wohl in der Absicht, die Kinder ein wenig auszufragen. "Kinder, ihr dürft mit mir in die Schule fahren, ich bin euer Schulrat", sagte er freundlich. Aber er hatte kein Glück, die Kinder gingen weiter, der vorderste meinte nur über die Schulter hinweg: "Des kannt a jeder sagn!" Vielleicht war das als kleiner Erfolg einer Erziehung zum gesunden Selbstbewußtsein, zu eigener Verantwortung und selbständigem Denken zu werten, wie man sichs als Lehrer wünschte.

Es mag sein, daß nicht alle Kreuther Schüler ihre Schulzeit so heiter im Gedächtnis behalten haben. Aber weder Eltern noch Schüler nahmen es dem Lehrer damals krumm, wenn der Geduldsfaden einmal riß, auch die Kinder wußten sich richtig einzuschätzen. In gegenseitigem Wohlwollen wußte man, auch alle Unzulänglichkeiten, Ärger und Nöte, Kummer und Sorgen müssen bewältigt werden. Am letzten Tag gabs für die Entlaßschüler stets ein bewegendes Abschiednehmen, auch wenn die Schulschlußfeier durch die Beiträge und Gstanzl der jüngeren Mitschüler immer recht lustig gestaltet war. Auch für mich ging die Schulzeit in Kreuth viel zu schnell zu Ende. Für die Bilder der Erinnerung bin ich von Herzen dankbar. es ist der einzige Besitz, den uns niemand nehmen kann.

Landesjugendsingen 1952
Als Herr Morak den Kinderchor der Kreuther Schule leitete, gab es ein unvergeßliches Erlebnis für die Singgruppe: das Landesjugendsingen 1952. Das erste Ausscheidungssingen, an dem ich teilnehmen konnte, war in Rosenheim. Der Bus stand bereit, alle Sänger waren rechtzeitig da, feiertäglich hergerichtet, in Dirndl und Trachtengewand. Frau Günther und ich durften als Begleiter mitfahren. Es war schon ein wenig aufregend, vor vielen Singgruppen und einer aufmerksamen Jury auf der Bühne zu stehen. Anfangs klang es noch zaghaft, aber bald waren Schneid und Sicherheit wieder da. Bei der Preisverteilung erhielten die Kreuther Kinder großen Applaus. Sie hatten den ersten Preis bekommen und durften deshalb am nächsten Ausscheidungssingen in Wasserburg teilnehmen und sich mit den besten Sängergruppen der anderen Landkreise Oberbayerns messen. Auf der Fahrt nach Wasserburg wurde im Omnibus viel gesungen und gelacht, da gabs keine Angst mehr, denn man wußte ja schon wie es da zugeht und waren neugierig auf die anderen Sänger und die Familie, bei der man zu Gast sein sollte. Die Preisverteilung war ja erst für den nächsten Tag vorgesehen. In Wasserburg wurden die Kinder herzlich aufgenommen.

Überall in der schönen Stadt hörte man Singen und Klingen und beim ersten Vorsingen im Saal viele bekannte und neue Lieder und hervorragende Chöre von Gruppen und Musikschulen. Zur Preisverteilung am nächsten Tag waren alle Teilnehmer an der Kirche versammelt, rings um die laufenden Stufen, die zum Portal hinaufführten. In der Mitte, am Rednerpult, erschien der Bürgermeister von Wasserburg, breitete ein Schreiben aus und es war so, als hätte er schon den Namen des ersten Preisträgers verlesen wollen, doch es war noch kein Lautsprecher eingeschaltet.
Einige unserer Kinder, die ganz besonders hellhörig zu sein schienen, meinten: "Der hat Kreuth gesagt." "Ach, wir werden doch nicht wieder die Ersten geworden sein!" sagte ich zu Frau Günther. Aber es war wirklich so. Mit herzlichen Glückwünschen überreichte der Herr Bürgermeister den ersten Preis an "die Kindergruppe die aus der kleinen Schule im Kreuther Tal gekommen ist." Herr Morak nahm unter großem Applaus die Urkunde in Empfang. Danach standen unsere Kinder in der Mitte des Stufenaufgang und sangen voll Freude das Preislied: "Fahr ma hoam, fahr ma hoam ...", "so frisch und rein, wie s Wasser in eurer Weißach", meinte ein Zuhörer, der öfter nach Kreuth gekommen war. Eh wir aber wirklich heimfuhren, lud Frau Günther die ganze Schar in die Konditorei ein, wo der Preis gebührend gefeiert wurde. Einer der Buben sagte zu mir: "Des hob i mir glei denkt, daß mir die Ersten san." "Wieso hast du dir das glei denkt?", wollte ich wissen. "Ja" meinte er, "wia mia gsunga ham, da hat die oa vo der Jury ihrn Kugelschreiber hiegschmissn und hot über ihrm Kopf klatscht. Bei de andern hots des net do." Im Juni erlebten wir mit unsern Kindern die dritte Sängerfahrt, das Preissingen der besten Gruppen Bayerns, in Landshut. Ich glaube, daß alle, die jetzt längst erwachsen sind und selber Kinder haben, sich noch gern daran erinnern.

Adventsingen 1953
Es war an einem Samstag im Advent. Am Abend sollte in der Überfahrt in Egern das Adventsingen stattfinden. Am Vormittag, in der Pause, kam Frau Günther in unsere Klasse und sagte: "Bei mir oben in der Wohnung sitzt Annette Thoma und arbeitet am Programm für heut Abend. Kommens doch rauf und sagens ihr Grüß Gott, vielleicht mit einem Liedl." Wir hatten gerade gelernt "Was tuat denn der Ochs beim Kripperl drin?" So fragte ich die Kinder, wer es gern vorsingen möchte. Die kleine Rosi aus der ersten Klasse und das Stefferl aus der zweiten trauten sich und gingen mit. Nach der Begrüßung und Vorstellung der kleinen Sänger stimmten sie ihr Liedl an. Das "Hutschei heia" zweistimmig, ganz sauber und sicher. Annette Thoma sah sie unverwandt an und sagte dann spontan: "Des singan die zwoa heut am Abend in der Überfahrt." Ich protestierte: "Das geht wohl nicht, da sinds ja schon im Bett." "Na sollns halt am Nachmittag a bißerl schlafen", meinte Frau Thoma. Ich versuchte noch einmal, es ihr auszureden: "Die singen doch viel zu leise für den großen Saal." Sie ließ auch das nicht gelten: "Da werdns scho sehn, wie d Leit staad san."

Ich mußte also nach der letzten Unterrichtsstunde mit Rosi und Stefferl (Schober Rosi und Frank Stefferl) nach Haus gehen, mit den Eltern sprechen und das Anliegen von A. Thoma vorbringen. Zuerst beim Zahlerhof: In der Bauernstube trafen wir beide Eltern und die Oma an. Die wollten es alle nicht glauben, was ich da erzählte. Der Vater meinte überzeugt: "Des kenna de doch gar net." "Dann müßt ihrs halt einmal vorsingen!" sagte ich, was sie ohne Zögern taten. Nun strahlte der Papa übers ganze Gesicht, die Oma wischte sich die Tränen aus den Augen und die Mama rief erschrocken: "Aber s Jopperl is ausgwaschn und hängt noch am Speicher." In Stefferls Elternhaus wars nicht viel anders. Auch da mußten sie erst beweisen, daß sie wirklich singen können. Die Mama versprach dann gleich, das Dirndlgwand herzurichten und Stefferl am Abend mitzubringen.

Der Saal in der Überfahrt war gesteckt voll, die Sänger und Musikanten hatten auf der Bühne Platz genommen. Ich sollte die beiden Kinder bis zu ihrem Auftreten hinter der Bühne betreuen. Am Anfang hörten sie ja aufmerksam zu, aber dann dauerte es doch sehr lange, denn es war ja längst ihre Schlafenszeit. Endlich durften sie ganz nach vorn in die Mitte der Bühne marschieren. Ich stand hinter einem Christbaum verborgen und konnte ihnen unbemerkt das Zeichen zum Einsatz geben. Im Saal war es ganz still geworden, als traute sich keine mehr zu atmen und die beiden Kleinen sangen unerschrocken, hell und sauber ihr Liedl vor. Stürmischer Beifall folgte. Annette Thoma hatte recht behalten. Alle waren begeistert von den musikalischen Kindern, die Eltern voll Stolz und Freude und glücklich auch Frau Günther über ihre Schulkinder.

Bittgang
Die kirchlichen Feste und Feiertage hatten auch in der Schule ihre Bedeutung und Tradition. Die größeren Schulkinder bekamen damals schulfrei, um am Bittgang nach Egern teilnehmen zu können. Es war ein weiter Weg durch die Weißachauen bis zur Egerner Kirche und zurück. Dabei war der Rosenkranz zu beten, der freudenreiche, der schmerzhafte, der glorreiche. Aber den ganzen Vormittag beim schönsten Frühlingssonnenseim in der Klasse zu sitzen war zweifelsohne das noch geringere Vergnügen. Am darauf folgenden Tag kam einmal Herr Pfarrer Engelmann mit ernstem Gesicht zu Frau Günther, um seine Beschwerden loszuwerden, über die all zuwenig frommen Buben, die ihm während des Bittgangs Ärger gemacht hatten. Frau Günther "kaufte" sich sofort die Übeltäter und stellte sie zur Rede. "Und was hast du gemacht, R.?" Der tat sehr erstaunt und beteuerte: "I ? Na, i hob gor nix do." Frau Günther ließ nicht locker. "Gar nix?" sagte sie und hielt ihn "bm Kravattl" fest. R. schaute wie ein frommes Lamperl zu ihr auf, aber unter dem strengen, wahrheitsheischenden Blick wurden die Unschuldsbeteuerungen leiser: "a, Frau Günther, grad ... unter der Scharlinger Bruckn, da is "mir grad a Juchzer auskemma." Auf dieses Geständnis mußte man zwar als Lehrerin immer noch entrüstet und streng aussehen, aber wenn man sich in so einen Buben hineindachte, der bis obenhin mit Juchzern angefüllt war, konnte man schon verstehen, daß einer davon auskommen konnte, ausgerechnet unter der Scharlinger Bruckn, wo es so schön laut hallte.
Frau Günther galt sicher als strenge Lehrerin, doch sie sagte öfter: "Einem ehrlichen Lausbuam kann man nicht bös sein."

Die Kreuther Kinder singen im Badkircherl
Herr Edelmann hat es sich gewünscht, aber ich weiß heute nicht mehr zu welchem Anlaß, jedenfalls war es ein Gedenken für Anette Thoma und Kiem Pauli. Es machte Freude, mit so musikalischen Kindern die Bauernmesse einzulernen. Sie waren pünktlich zu den Proben im Schulhaus und hatten schnell eine neue Weise im Gehör. Wir versuchten von Anfang an den Zusammenklang der ersten, zweiten und dritten Stimme, denn es kam vor allem auf das Aufeinanderhören an. Auch der exakte Einsatz war ganz wichtig. Es sollte ja wie aus einem Munde klingen. Kam einer einmal ein bißchen zu spät, konnte er des Remplers von Seiten des Nachbarn oder der Nachbarin sicher sein. Bei den letzten Proben begleitete uns Herr Edelmann auf der Zither. Er war erstaunt, wie schnell die Kinder Texte und Melodie erlernt hatten.

An einem Herbstsonntag zogen wir dann gemeinsam zum Gottesdienst ins Wildbad. Durch das angebaute Bauernhaus kam man in den schmalen Chorraum hinauf, wo wir zum Beginn der HL Messe warteten. Die Plätze im Kircherl waren schon alle besetzt und ein bißchen Lampenfieber verspürten wir auch. Da kam das Klingelzeichen, die Zither setzte ein und frisch und sauber erklang das Eingangslied. "Auf in Gottes Nam..." Viel Konzentration und Aufmerksamkeit erforderte das Singen im Chor. Die Kinder waren mit ganzem Herzen dabei, auch selbstkritisch bemüht, das Beste zu geben. Es genügte mein Kopfnicken zum Beweis, daß sie es gut gemacht hatten. Als das letzte Lied zu Ende gesungen war: "Laßt uns dem Herrn danken, bevor daß wir gehen, dem Vater, dem Sohne, dem Geiste zu dritt, sie möchten erhören das irdische Flehen, ihr Segen bleib bei uns auf jeglichem Schritt. Er soll mit uns streiten im Leben der Zeit und einst uns geleiten in die Ewigkeit. ..." da sagte Herr Edelmann: "Hinten in der Bank sitzen Herzog und Herzogin. Sie haben von Anfang an zugehört". Ich hatte sie gar nicht bemerkt, wollte aber nicht, daß die Kinder nun ohne zu grüßen bei ihnen vorbeistolpern und ermahnte sie: "Hinter uns sitzen der Herzog Ludwig Wilhelm und die Frau Herzogin, sie haben während der ganzen Messe zugehört. Geht´s anständig an ihnen vorbei und tuts grüßen!" Allerdings hatte ich mir das anders vorgestellt. Gleich der erste der Sänger ging hin und schüttelte dem alten Herrn kräftig die Hand, dann auch der Herzogin: "Good Herr Herzog, s´Good Frau Herzogin!", auch gleich der nächste und der nächste, das Händeschütteln nahm kein Ende, keiner wurde ausgelassen, bis der letzte an der Reihe war. Das war mir recht peinlich, ich stotterte eine Entschuldigung. Der Herzog wehrte ab und sagte: "Ihre Kinder haben uns eine große Freude gemacht."

Beim Kiem Pauli
Die Kreuther Kinder, damit war die Singgruppe gemeint, die musikalischsten Schüler aus allen Jahrgängen, denen das Singen viel Freude machte. Aber auch anderen machten sie damit Freude. So lebendig und wepsig wie alle anderen Kinder waren sie auch, aber beim Singen konnte man sie nicht wiedererkennen. So aufmerksam der Einsatz und so sauber der Zusammenklang der ersten, zweiten und dritten Stimme und so schnell war ein neues Liedl erlernt, daß man sie nur loben konnte.

Wir hatten wieder neue Weihnachtslieder gelernt, da kam Frau Günther die Idee, den Kiem Pauli mit dem Kinderchor aufzusuchen, um ihm was vorzusingen und zwar am Nachmittag des 24. Dezember. Sonst war ja der berühmte Mann meist mit Besuchern eingedeckt, aber am Hl. Abend kam kaum jemand, hatte man mit eigenen Weihnachtsvorbereitungen zu tun, da war er in seiner Stube allein anzutreffen. Auch die Eltern der Kinder wären sicher nicht böse, wenn die Plagegeister am Nachmittag des Hl. Abend "weiter" wären, meinte Frau Günther, als sie mir den Vorschlag machte. Wir trafen uns beim Schulhaus, Schlitten hatten sie auch dabei, laut und lustig gings los, zum Bad hinter. Oben auf der Wiese warteten die Kinder, denn so langsam wie wir, konnten sie doch nicht gehen. Nach ein paar Ermahnungen, recht anständig zu sein, bemühten wir uns, ganz leise ins Haus zu kommen, wir wollten ja den Pauli überraschen. Aber die hohe, schwere Tür im Flur knarrte laut. Er hatte uns vielleicht auch schon vom Fenster aus gesehen. Als wir das erste Liedl anstimmten, stand er schon in der Stubentür und lauschte. Danach gabs eine herzliche Begrüßung: "Gehts nur einer, gehts nur weiter!" In der warmen Stube saßen nun die Sänger wie die Schwalberl eng nebeneinander auf allen Stühlen und Sitzmöglichkeiten und waren zuerst einmal mäuserl staad. Der Pauli aber war dafür recht gesprächig. Er holte dann auch seine Gitarre und spielte weihnachtliche Weisen für die aufmerksamen Zuhörer. Auch die Kinder sangen ihm noch etwas vor und er strahlte und lobte sie. Dann aber holte er etliche Schachteln hervor, angefüllt mit duftenden Weihnachtsplatzerln. Seine Gönnerinnen hatten ihn reichlich bedacht, aber er konnte doch wegen seines Magenleidens die guten Sachen nicht genießen. Es bedurfte keiner großen Aufforderung, da futterte die ganze Schar und alle langten kräftig zu. Der Pauli hatte sichtlich seine Freude daran, sah lachend zu und versuchte dabei, den einen oder anderen an der Familienähnlichkeit zu erkennen. "Du ghörst am Winkler?" Der schwarzäugige Bub konnte nur nicken, denn er hatte den Mund voll mit guten Platzerln. Nach einem Abschiedsliedl, vielem Händeschütteln und vielen Wünschen für ein frohes Weihnachtsfest kehrten wir heim.

In Paulis Stube war es wieder still, aber den Badberg hinunter stürmte die wilde Jagd, mit Halloh und Juhu sausten die Schlitten davon. Der Abstand wurde immer größer, das Lärmen leiser, denn heute hatten es ja alle besonders eilig heimzukommen. Es dämmerte schon. "Der Pauli hat sich sehr gefreut." "Ja, das glaub ich auch." Viel mehr war nicht zu sagen, denn wenn man sich gut versteht, da braucht es keine Worte.

Frau Günther in Dankbarkeit gewidmet

Lehrer und Schulbilder von der Volksschule Kreuth

Schulbilder

zwischen 1905 und 1910, Pfarrer Greck und Lehrer Goetz Lehrer Kirchgeßner Schuljahr 1920/21 Pfarrer Greck, Bgmst. Meßner, Lehrer Rehle 1928 Lehrerin Erika Günther im Schuljahr 1951 1./2. Klasse mit Lehrerin Maria Angermüller 1957 8. Klasse 1965 mit den Lehrern Günther Erika, Wengermayer Joseph, Angermüller Maria Jahrgang 1936/37 mit Lehrer Wengermayer

Kreuther Lehrer

ab 1970 Verbandsschule Rottach-Egern - Kreuth  
1492 bis 1543 Wanderlehrer (Namen unbekannt)
1717 Gründung der Volksschule Egern
  Kreuther Kinder gehen unregelmäßig nach Egern zur Schule
1776 bis ? Josef Gloggner Mesner + Lehrer, Unterricht im Austragsstüberl vom Zahler
1804 Sebastian Intenkofer
1804 bis 1808 Matthias Lutz
1808 bis 1824 Franz Schnitzenbaumer
1824 bis 1825 Pfarrer Augustin Schmid
1825 bis 1829 Joseph Mällisch
1829 N.N. Dellinger
1829 bis 1832 Carl Plostorfer
1832 bis 1864 Joseph Bauer
1864 bis 1868 Alois Oberhauser
1868 bis 1869 Joseph Sedlmaier
1869 bis 1871 Pfarrer Emeran Liedl
1871 bis 1884 Albert Lierheimer
1884 bis 1885 J. Schmid
1885 bis 1904 Kaspar Leipfinger
1904 bis 1905 Stork
1905 bis 1910 Ludwig Goetz
1910 bis 1913 Karl Bauer
1914 bis 1927 Josef Kirchgeßner
1916 bis 1917 Joseph Wildenauer
1927 bis 1948 Max Rehle
1936 bis 1938 Heribert Heilmair
1939 bis 1943 Maria Brach
1943 bis 1944 Elisabeth Sailer
1944 bis 1969 Erika Günther
1947 bis 1948 Joseph Wengermayer
1948 bis 1955 Herbert Morak
1948 bis 1948 Erich Ecker
1949 bis 1950 Annemarie Schuler
1949 bis 1950 Erich Endres
1950 bis 1969 Maria Angermüller
1950 bis 1970 Joseph Wengermayer
1969 bis Monika Hewel